Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258963
266 
III. 
Buch 
Kapitel. 
hat er zugleich hiermit den Ausdruck von stiller, ruhiger Demuth 
und Andacht zu vereinigen gewusst. Dieses Bild ist ohne Zweifel 
von dem Bürgermeister, einem eifrigen Katholiken, in eine-der Maria 
geweihte Capelle gestiftet worden. Es ist frisch und markig in 
einem irahren, bräunlichen Ton der Fleischtheile gemalt, und fällt, 
wie sich aus verschiedenen Abweichungen von dem berühmten Bilde 
desselben Gegenstandes in der Dresdener Gallerie abnehmen lässt, 
etwas früher als dasselbe. Sehr begreiflich ist es aber, dass der 
Besteller die so trefflichcn Bildnisse seiner Familie, grade in dieser 
religiösen Handlung, auch als theures Andenken in seiner Wohnung 
zu haben wünschte und Holbein mit einer NViederholung desselben 
beauftragte. Dem in ziemlich dürftigen Verhältnissen belindlichen 
Künstler konnte dieses aber nur sehr willkommen sein, und so ist, 
meiner Ueberzeugung nach, das Bild in Dresden entstanden. Die 
Veränderungen, welche sich darin, im Vergleich zu jenem ersteren, 
vorfinden, sind recht eigentlich auf eine Betrachtung ganz in der 
Nähe, wie dieses die Aufstellung in einem Zimmer mit sich bringt. 
berechnet. Der Kopf derM-aria ist in Form und Ausdruck lieb- 
licher und milder, in der Behandlung, bei minderem Impasto, zarter 
und mehr in das Einzelne gehend. Letzteres gilt auch, mehr oder 
minder, von den meisten anderen Theilen. Nur der Kopf des Bürger- 
meisters hat etwas Hartes und Leeres. Der ziemlich roh und mecha- 
nisch behandelte Fussteppich dürfte endlich die Arbeit eines Gehülfen 
sein. Zwei andere, ebenfalls im Jahr 1526 ausgeführte, im Museum 
zu Basel befindliche Bilder, weichen in der Färbung und Malweise 
so entschieden von allen bisherigen Bildern Holbeins ab, und zeigen 
in der Zartheit des warmgelblichen Lokaltons, in dem stärkeren 
Gebrauch der Lasuren, und der grösseren Weiche der Umrisse einen 
so starken Einfinss der niederländischen Kunst, dass ein Kenner, 
wie der Herr von Rumohr , sie für Werke des Bernhart van Orley 
halten konnte. Das eine stellt ein schönes und reizendes Mädchen 
in zierlicher Tracht, angeblich das Bildniss eines Mitglieds der Fa- 
milie Otfenburg in Basel, mit der Aufschrift: „Lais corinthiacaßl 
N0) 34, das andere dieselbe, etwas weniger reizend, als Venus mit 
dem ziemlich hässlichen Amor, N0. 3a, dar. Obwohl nur das letzte 
mit 1526 bezeichhet ist, stimmt das erste doch in jedem Betracht 
so mit diesem überein, dass sicher beide derselben Zeit angehören. 
S 1 Die Vermuthungen über diese Bezeichnung bei liogner im angef. Werk 
 102 r.
        

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