Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258907
260 
III. 
Buch. 
Kapitel 
der von ihm vorhandenen Werke kann ich hier nur die für seine 
verschiedenen Epochen am meisten charakteristischen hervorheben. 
Die Bilder aus seiner frühsten Zeit haben einen etwas schweren, 
gelbbräunlichen Fleischton. Unter den sehr merkwürdigen Werken 
aus dieser Epoche, welche sich in der Gallerie in Augsburg be- 
finden, 1 zeichnet sich ,besonders der, urkundlich im Jahr 1515 aus- 
geführte, heilige Sebastian aus. Derselbe erregt durch die Wahr- 
heit der Formen, wie der Bewegung, als die Arbeit eines Jünglings 
von 17 Jahren Bewunderung. Die Köpfe sind sehr individuell, die 
reiche Landschaft sehr gut ausgebildet und von grosser Klarheit. 
Das schönste, und wahrscheinlich eins der letzten, Werke, welche er 
in Augsburg ausführte, sind die Flügel eines Altars, welche sich 
unter dem irrigen Namen seines Vaters in der Pinakothek zu Mün- 
chen befinden, No. 40 und 46. Der eine stellt die heilige Elisa- 
beth von Thüringen dar, welche den Armen Speise und Trank giebt, 
der andere die heilige Barbara. Beide sind nicht bloss sehr wahr, 
sondern, zumal die Barbara, edle, schlanke Gestalten von zarter 
Empfindung. Im Jahr 1516 ist er wohl ohne Zweifel nach Basel, 
dem Hauptorte seiner künstlerischen Thätigkeit bis zum Jahr 1526, 
übersiedelt. Verschiedene, mit dem ersteren Jahr bezeichnete Bilder 
sind nämlich sicher in Basel ausgeführt worden. Von diesen schliesst 
sich in dem Farbenton das Bildniss des Malers von Basel, Johann 
Herbster, in der Sammlung von Thomas Baring in London, dem 
vorigen Bilde noch nahe an. 2 Die ebenfalls mit 1516 bezeichneten 
Bildnisse des Bürgermeisters Jacob Meier, beigenannt zum Hasen, 9 
und seiner Frau, im Museum zu Basel, 4 sind, nach der künst- 
lerischen Ausbildung, nothwendig etwas später. Die Auffassung ist 
feiner, und hier findet sich schon der etwas klarere, mehr zum 
Röthlichen ziehende braune Fleischton, der seinen meisten Bildern 
bis zum Jahr 1526 eigen ist. Dieser frühsten Zeit nach seiner 
Uebersiedelung nach Basel dürfte auch ein Abendmahl auf Lein- 
wand angehören. Obwohl in der Composition etwas überladen, ist 
doch der Moment, wie Christus dem Judas den Bissen giebt, sehr 
lebendig aufgefasst, und die Köpfe trefflich charakterisirt. Im Jahr 
1517 schmückte Holbein das Haus des Schultheissen Jacob von 
1 S. Kunstw. und Künstler in Deutschland Th. II. S. 24 ff.  2 Näheres 
Treasures etc. Th. IV. S. 97.  3 D eser Beisatz ist nöthig, um ihn von anderen 
Bürgermeistern Basels, Namens Meier, zu unterscheiden.  4 S. darüber, so wie 
über die anderen, dort befindlichen, Arbeiten Holbeins, ebenda S. 968 H.
        

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