Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258886
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Buc 
Kapitel. 
und der Heiden. l Burgkmair hat auch eine Radirmig in Eiggn 
gemacht. 2 
Der grösste Künstler, welchen Augsburg hervorgebracht hat, 
ist indess Hans Holbein der jüngere, welcher daselbst im Jahr 
1498 geboren worden ist. 3 In ihm erreichte die realistische Rich- 
tung der deutschen Kunst ihre höchste und edelste Ausbildung, und 
er ist unbedingt einer der grössten Meister, welche überhaupt je in 
derselben gearbeitet haben. Ein Vergleich mit seinem älteren Zeit- 
genossen, Albrecht Dürer, wird am besten dazu dienen, seinen 
künstlerischen Gharakter in ein helles Licht zu setzen. An Gross- 
artigkeit und Tiefe des Gefühls, an Reichthum von bedeutenden 
Erfindungen auf dem Gebiete der kirchlichen Malerei, und an Styl- 
gemässer Anordnung derselben, muss er dem grossen Nürnberger 
nachstehen. Auch er wird zwar von dem phantastischen Element 
des Mittelalters berührt, aber in ganz anderer WVeise. Wenn Dürer, 
die Apocalypse noch einmal in den freieren Formen seiner Kunst, 
doch ganz im Geiste des Mittelalters, behandelt, und in seiner Me- 
lancholie zwar das furchtbare Bewusstsein der Unzulänglichkeit und 
Hinfälligkeit aller Dinge seinen Ausdruck findet, so bleibt in seinem 
Blatt, der Ritter, Tod und Teufel, das Gefühl der Zuversicht und 
der Manneskraft doch unbeirrt von diesen Dämonen und trägt gei- 
stig den Sieg über sie davon. Holbein ergriff dagegen den mittel- 
alterlichen Gegenstand des Todtentanzes, um ihn mit allen Mitteln 
der vollendeten Darstellung zum Ausdruck der bittersten Ironie, 
des furchtbarsten Hohns zu machen, worin der Tod in allen mög- 
lichen Beziehungen, vom Pabst bis zum Bettler, mit tückischer 
Schadenfreude über die allen gemeinsame Angst triumphirt und 
allein Recht behält. Ein Beispiel hievon gewährt die Art, wie er 
den hülflosen Blinden leitet (Fig. 44). Wenn die Gcistesart Dürers 
demgemäss noch eine enge Verwandtschaft zu der religiösen Ge- 
fühisweise des Mittelalters zeigt, so erscheint die des Holbein 
dagegen "als entschieden der Geistesart der modernen Zeit zuge- 
wendet. Hiermit hängt genau zusammen, dass er an Wahrheit und 
Schärfe der Beobachtung in Wiedergabe der Natur den Dürer 
sicher übertraf, wie dieses auch aus einem Zeugniss des, mit einem 
1 S. Näheres darüber Bartsch Th. VII. S. 215 H.  2 Derselbe ebenda, s, 199, 
 3 Hauptwerke über Holbeiu sind: Ulrich Hegner, Hnng Holbein der jüngere, 
Berlin 1827, Ohretien de Meehel, Oeuvre de Jean Holbein ou Reduel de gravures 
(Papres ses plus beaux ouvrages, Basle 1780, und Horace Walpole, Anecdotes on 
painting.
        

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