Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258873
Epoche 
von 1500 bis 1550. 
257 
vom Jahr 1510 in der Moritzcapelle zu Nürnberg. Dieses Bild- 
chen steht auf einer Höhe des Geschmacks und ist von einer Fein- 
heit der Durchbildung, wie Burgkmair sie nur selten erreicht hatß 
Die Kreuzigung in der Sammlung in Augsburg vom Jahr 1519. 2 
Die Anbetung der Könige ebenda ist in Charakteristik der Köpfe, 
Feinheit der Haltung im kühlen Ton, Meisterschaft der Durchbil- 
dung, das mir bekannte Hauptwerk aus dieser Epoche desMei- 
sters. Für die hohe Ausbildung der Landschaft ist der Johannes 
auf Patmos, in dessen Kopf zugleich die Begeisterung sehr wohl 
ausgedrückt ist, in der Pinakothek zu München, N0. 65, beson- 
ders bezeichnend. Für Naivetätund Wahrheit in Behandlung von 
Gegenständen aus dem gewöhnlichen Leben, ist eine Mutter mit 
zwei Kindern im Landauer Brüderhause, vom Jahr 1541, N0. 94, 
sehr charakteristerisch, 3 welches dort für Hans Olmdori ausgegeben 
wird. Als ein manierirler Nachahmer italienischer Kunstweise end- 
lich erscheint er in seiner Befreiung der Seelen aus der Vorhölle 
durch Christus in der Annenkirche zu Augsburg, wahrscheinlich 
bald nach dem Jahr 1533 ausgeführt. Unter seinen Bildnissen ist 
eins der vcrzüglichsten das eines Herzogs Friedrich von Sachsen 
auf der Veste zu Nürnberg, dort irrig für Hans von Culmbach 
ausgegeben. Es zeichnet sich durch das reine Naturgefühl und den 
zarten Fleischton aus. Härter in den Umrissen, schwerer im Fleisch- 
ton, sind die Bildnisse des Herzogs Wilhelm von Baiern und seiner 
Gemahlin in der Pinakothek, N0. 136 und 150 Cabinette. Ungleich 
wärmer und klarer in der Farbe und sehr lebendig in der Auffas- 
sung ist endlich sein und seiner Frauen Bildniss, vom Jahr 1528 
in der kaiserlichen Gallerie zu Wien. Der Gedanke, dass sie einen 
Spiegel hält, worin beide als Todtenköpfe erscheinen, zeigt, dass die 
phantastische Geistesart des Mittelalters um diese Zeit in der schwä- 
bischen Schule noch keineswegs erloschen war. Wie sehr dieselbe 
in unserem Künstler lebte, beweisen überdem verschiedene der nach 
seinen" Zeichnungen ausgeführten Holzschnitte, z. B. eine junge 
Frau, welche dem Knochenmann, welcher einen jungen Mann tödtet, 
zu entfliehen sucht, die sieben Cardinaltugenden, die sieben Tod- 
Sünden, die drei guten Männer und Frauen der Christen, der Juden 
1 Vergl. Kunstwerke und Künstler in Deutschland T11. I. 
dasselbe Werk Th. II. S. 32 f.  1 Vergl. dasselbe Werk Th 
Waagen. Handb. d. Malerei. I. 
197.  
s. 205. 
17 
9 Vergl
        

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