Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258846
254 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
ihm selbst berührt wcrden, sondern nur zu den besseren Bildern 
seiner Werkstatt gehörtß so ist die wohl sicher von ihm herrüh- 
rende Erfindung doch zu merkwürdig für diese neue kirchliche 
Kunst der Reformation, als dass es nicht hier erwähnt werden 
sollte. Es ist ein Altarbild in der Stadtkirche daselbst. Das Mit- 
telbild, welches die Feier des Abendmahls um einen runden Tisch 
darstellt, zeichnet sich durch die charakteristischen Apostelköpfe 
aus. Die Flügel und die Altartafel, Taufe, Beichte und Predigt, 
aber haben das Eigenthümliche, dass sie uns in ganz realistischer 
Weise, diese kirchlichen- Handlungen vorführen, wie sie zu jener 
Zeit in Wittenberg vorkommen konnten. Auf dem rechten Flügel 
verrichtet Melanchthon, in Gegenwart von drei Taufzeugen, und 
mehreren Zuschauerinnen, die Taufe, auf dem linken ertheilt Bu- 
genhagen nach der Beichte einem reuigen Sünder die Vergebung, 
während er einen versteckten Sünder zurück weist, wobei noch 
mehrere Frauen. Auf der Altarstaifel endlich deutet der, die Pre- 
digt haltende, Luther, besonders charakteristisch für seine Lehre, 
auf den, in der Mitte befindlichen Christus am Kreuz, als durch 
dessen Opfertod, und den Glauben an denselben, allein die Erlö- 
sung bewirkt wird. Ihm gegenüber eine Gruppe von Frauen und 
Mädchen und eine andere von Jünglingen und Männern. 
Lucas Oranach der jüngere, geb. 1516, gest. 1586, der 
Sohn und Schüler des vorigen Meisters, und auch, wie er, Bürger- 
meister von Wittenberg, hat sich ohne Zweifel in seiner frühesten 
Zeit ganz an die Weise seines Vaters gehalten, so dass es schwer 
halten dürfte, seine Bilder aus dieser Epoche, von denen desselben 
zu unterscheiden. Als selbständiger Künstler steht er indess jenem 
an Mannigfaltigkeit der Erfindungsgabe, an Bestimmtheit seiner 
Formengebung und seines Vortrags zwar entschieden nach, über- 
trifft ihn aber in der Correctheit der Zeichnung. In seinen frühe- 
ren Bildern hat er einen warmen, aber honigartigen Fleischton, 
späterlwird dieser kühlröthlich, zuletzt blass. S0 wird auch die 
Ausführung allmählig lockerer und flüchtiger. Nur in der Auffas- 
sungsweise bleibt er stets der seines Vaters treu. Zu seinen besten 
Bildern gehören, eine Predigt Johannis, in der Gallerie zu Braun- 
schweig, und eine Maria, welche dem vor ihr stehenden Kinde 
eine Traube reicht, in der Gallerie zu München, N0. 142. Gabi- 
Schu( 
hardt Th.
        

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