Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258821
252 
III. 
Bucl 
Kapitel. 
rechts aber Johannes den Täufer, welcher die neben ihm Stehenden 
Luther und Granach  zwei tretlliche Bildnisse - auf Christus 
hinweist, der durch seinen Opfertod die Erlösung von Tod und 
Teufel bewirkt. Als Ueberwinder derselben, welche im Mittelgrimde 
den sündigen Menschen in den Flammenpfuhl treiben, ist Christus 
links noch einmal dargestellt. Cranach hat auch gelegentlich in 
Minatur gemalt, sehr geschickt in Kupfer gestochen und eine grosse 
Reihe, zum Theil trefflicher Zeichnungen für den Holzschnitt ge- 
macht. Ein Beispiel der letzteren ist der h. Christoph. (Fig. 43.) 
Durch mehrere derselben hat er sehr energisch an dem Kampf Lu- 
thers gegen das Pabstthum Theil genommen! Auch als Mensch 
verdient Oranach die grösste Achtung. -Die Nachfolger Friedrich 
des Weisen, Johann der Beständige und Johann Friedrich der 
Grossmüthige, behielten ihn in ihren Diensten, und dem letzten 
leistete er während seiner fünfjährigen Gefangenschaft nach der 
Schlacht bei Mühlberg (1547 )treulich Gesellschaft und suchte ihn 
durch sein Gespräch und seine Kunst zu erheitern. In WVittenberg 
hatte er sich das Vertrauen der Bürger in dem Maasse erworben, 
dass sie ihn 1537 zum Bürgermeister ernannten, und diese Wahl 
1548 wiederholten. Im Jahr 1544 legte er diese Würde freiwil- 
lig nieder. 
Obgleich Lucas Cranach in einem so langen Leben, und bei 
der Schnelligkeit, womit er arbeitete, welche so gross war, dass er 
noch auf seinem Grabstein „ce1erimus pictor" genannt wird, ohne 
Zweifel eine sehr grosse Zahl von Bildern gemalt hat, rühren doch 
bei weitem die meisten, welche als Werke von ihm ausgegeben 
werden, nicht von ihm her, sondern sind in manchen Fällen Werke 
seines Sohns, Lucas Qranach des jüngeren , von dem ich noch be- 
sonders zu handeln habe, so wie wahrscheinlich eines anderen 
Sohns, Namens Johann Lucas, der jung in Italien starb, 2 in der 
Regel aber Arbeiten von minder geschickten, oft selbstsehr geist- 
losen und handwerksrnässigen Malergesellen. Namentlich gehören 
zu diesen Fabrikarbeiten eine sehr grosse Anzahl von kleinen Bild- 
nissen Luthers, Melanchthons, so wie des Kurfürsten Friedrich des 
Weisen und Johann des Beständigen, welche die Jahrszahl 1532 
tragen. Dadurch, dass Cranach diese Bildchen mit seinem Mono- 
1 S. Sehuchardt Th. II. S. 240-255. .I-1s werden dort 8 Kupferstiche und 193 
Holzschnitte, unter denen aber auch eimg-e Kopieen, beschrieben.  2 S. über 
diesen, der 1536 zu Bologna starb, Schuchardt Th. I. S. 96 ff.
        

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