Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258796
Epoche von 1500 bis 1550. 
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an die Volksbücher und Volkslieder des Hans Sachs. Wie in diesen 
finden sich, unmittelbar neben den zartesten Blüthen, in naivster 
Weise das Geschmacklose, ja fast Kindische. In manchen seiner 
kirchlichen Malereien hat er eine sehr eigcnthümliche Bedeutung, 
er ist nämlich darin recht eigentlich der Maler der Reformation, 
welcher, nahe mit Luther und Melanchthon befreundet, den wesent- 
lichsten Punkt ihrer Lehre, dass nicht die guten Werke, sondern 
allein der Glaube an Christus selig mache, durch die Kunst zu 
veranschaulichen suchte. Bilder dieser Art sind, ein Sterbender 
im Stadtmuseum zu Leipzig, vom Jahr 1518, der Sündenfall und 
die Erlösung des Menschen in der herzoglichen Gallerie zu Gotha, 
vom Jahr 1529 , ein grosser Altar in der Kirche der Stadt Schnee- 
berg im Erzgebirge, und ein, ebenfalls mit 1529 bezeichnetes Ge- 
mälde in der standischen Gallerie zu Prag. Alle diese Bilder, 
zum Theil mit erklärenden Aufschriften, sind zugleich vorzügliche. 
Werke des Meisters. Nur an dem Altar zu Schneeberg ist die 
Theilnahme von Schülern erkenntlich. Unter seinen Bildern bib- 
lischen Inhalts verdient noch sein Christus mit der Ehebrecherin 
in der Pinakothek zu München, N0. 5G, hervorgehoben zu wer- 
den. Besonders sind die Köpfe Christi und der Sünderin vortreff- 
lich. Ein anderes treflliches Exemplar dieses Bildes, mit 1532 be- 
zeichnet, befindet sich zu Wien in der Gallerie Esterhazy. Vor- 
züglich aber gelingt ihm das Herzige und Kindliche, wie in ver- 
schiedenen Bildern Christi, der die Kindlein zu sich kommen lässt, 
von denen eins der schönsten in der Sammlung von Thomas Baring; 
in London, ein anderes in der Kirche des heiligen Wenzel zu 
Naumburg. Gegenstände der antiken Mythologie erscheinen, als- 
solche betrachtet, wie Parodieen, sprechen aber durchweg als leben- 
dige Portraite, bisweilen auch durch Anmuth der naiven Motive an. 
So die auf einem Hirsch sitzende Diana. in einem Bildchen im Mu- 
seum zu Berlin, No. 564, wo sie mit ihrem, minder glücklich aus- 
gefallenen Bruder, Apollo, dargestellt ist. Besonders anmuthig sind 
solche nackte Figuren auf einem Bilde im Besitz von Schuchart in 
Weimar (Fig. 42). Bisweilen stören in derlei Bildern freilich die, 
in dem zu sichtlichen Bestreben nach Grazie, in das Gesuchte, ja 
Gewaltsame ausgearteten Motive, so bei den Bildern der Venus mit 
dem Amßlä welcher sich bei ihr über den Bienenstich beklagt, in 
demselben Museum, N0. 1190 und 1263, wo die Stellung der Beine 
der Göttin an jenem Uebelstand leidet. Diesen Gegenstand hat er
        

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