Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258736
Epoche von 1500 bis 1550. 
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sehr leicht und geistreich zu führen und mehrere seiner Blätter 
gehören zu den ausgezcichnetsten aller dieser Kleinmeister. Von 
dieser Art sind: seine Geduld, N0. 138, seine Melancholie, N0. 144, 
sein heil. Sebald, N0. 65, seine Geschichte des verlernen Sohns, 
seine zwölf Blätter mit Tänzern einer Bauernhochzeit. Seine Er- 
findungskraft giebt sich indess am glänzendsten in seinen zahlreichen 
Zeichnungen für den Holzschnitt kund, deren Bartsch 171 angiebt. 
Sein triumphirender Einzug Karl V. in München, N0. 169, seine 
beiden Soldatenzüge, N0. 170 und 171, gehören zu dem Lebendigv 
sten und Geistreichsten, was die Kunst uns von dem Treiben und 
den Sitten jener Zeit aufbehalten hat. Aber auch seine zehn Blätter 
mit den Patriarchen und ihren Frauen und Kindern, N0. 74-83, 
deren erstes Adam und Eva mit vier Kindern, und den Tod, welchen 
sie über das Menschengeschlecht gebracht, darstellt, sind reich an 
treii'lichei' Charakteristik und graziösen Motiven und dabei in völligen 
Formen meisterlich gezeichnet. 
Georg Pencz, geboren zu Nürnberg 1500, gestorben zu Breslau 
1556, gehört zu den hegabtestcn Schülern Dürers. Zu einer glüek; 
liehen Erfindungskraft und einem lebhaften Sehönheitssinn kommt 
bei ihm eine trelfliche Zeichnung und ein warmes, klares und kräf- 
tiges Kolorit. Er ging später nach Italien und studirte mit Eifer 
nach den XVerken Raphaels, verliel dadurch indess nicht in eine 
missverstandene und geschmacklose Nachahmung, sondern veredelte 
nur den Geschmack seiner Compositionen und seiner Zeichnung, 
wiewohl er noch öfter eine gewisse Plumpheit der Formen verräth. 
In der Kupferstechkunst, worin er unter allen Schülern des Dürer 
eine der ersten Stellen einnimmt, yervollkommte er sich durch die 
Anleitung des Marcanton so sehr, dass er ihm in einigen Blättern 
sehr nahe gekommen ist. Da seine historischen Bilder sehr selten 
sind, kann man nur aus seinen Kupferstichen ersehen, dass er die 
heilige und profane Geschichte, die Allegorie, wie die Mythologie, 
Vorgänge aus dem gewöhnlichen Leben, wie Ornamente, mitun- 
gemeinem Erfolg behandelte. Aus einer Anzahl von Bildnissen 
welche sich noch erhalten haben, erhellt ebenfalls, dass er in diesem 
Fache durch wahre und lebendige Auffassung, treffliche Zeichnung, 
und Modcllirung, warme und klare Färbung, einer der ersten Maler 
seiner Zeit war.  
Ein historisches Bild in seiner deutschen Manier ist ein heiliger 
Hieronymus, in der Moritzkapelle, N0. 76. Es ist ein tüchtiges
        

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