Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258725
242 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
beschreibt, 1 behandelt nur eine kleine Zahl Gegenstände aus der 
heiligen Geschichte, die meisten sind aus der Profangeschichte, der 
Mythologie, der Allegorie und dem gewöhnlichen Leben genommen. 
In verschiedenen hat er sich nicht nur die Manier des Grabstichels, 
sondern auch die Freiheit und Grazie, die Meisterschaft der Zeich- 
nung der Raphaelischen Schule angeeignet. Von solcher Art sind: 
wüthende Kämpfe zwischen nackten Kriegern, N0. 1G -18, die 
Cleopatra, N0. 12, eine schlafende Frau, N0. 43, und der Triumph 
einer Frau und eines Mannes, deren Wagen von Frauen umgeben 
ist, N0. 44. Höchst vorzüglich sind aber einige Portraite, nament- 
lich geniesscn die Kaiser Karl V., N0. 60, und seinesBruders, des 
Kaisers Ferdinand I., N0. 61, mit Recht eines allgemeinen Ruhms. 
Sie sind nicht allein von sehr grosser Lebendigkeit, sondern mit 
feinem Gefühl und in einem edlen Geschmack aufgefasst und höchst 
meisterlich gestochen. 
Hans Sebald Beham, ein Neffe des vorigen, geboren zu Nürn- 
berg 1500, genoss zuerst als Maler und Kupferstecher den Unter- 
richt seines Ohoims, nachmals aber auch den des Dürer. Im Jahr 
1540 musste er wegen seines anstössigen Lebens Nürnberg verlassen 
und siedelte nach Frankfurt über, wo er gegen das Jahr 1550 
starb. Er war ein Künstler von seltnem Reichthum höchst leben- 
diger und geistreicher Erfindungen, die, ausser dem religiösen Ge- 
biet, häufig auch Gegenstände weltlichen, öfter derb humoristischen, 
bisweilen aber auch gemeinen und unsittliehen Inhalts umfassten. 
Dabei besass er in seltnem Maasse Sinn für Schönheit und Grazie, 
und war er ein sehr guter Zeichner. Von Oelbildern ist nur eins, 
jetzt in der Gallerie des Louvre befindliches bekannt, welches er- 
im Jahr 1534 in Form eines Tisches für Albrecht, Erzbischof von 
Mainz, ausgeführt hat. Es stellt in sehr kleinen, aber geistreichen, 
Figuren vier Vorgänge aus dem Leben Davids vor, und ist in 
einem warmen und klaren Ton sehr fleissig ausgeführt. 2 Fünf in 
einem Gebetbuoh im Jahr 1531 für denselben Fürsten ausgeführte 
Miniaturbilder, in der Königl. Bibliothek zu Aschaffenburg, be- 
weisen, dass er auch in diesem Fache sehr geschickt; Wal; seine 
grösste Bedeutung hat er indess als Kupferstecher, deren er eine 
so grosse Zahl  Bartsch zählt 259 auf  ausgeführt, dass er 
überhaupt wohl nur wenig gemalt hat. Er wusste den Grabstichel 
1 Bsrtsch Th. VIII. S. 81 ff.  9 Näheres darüber Kunstwerke und Künstler im 
Paris S. 549.
        

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