Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258659
lllpoche von 1500 
550. 
235 
Auch in der Wärme seines Colorits, wie in der Haltung, ist er 
gleichmässiger. Unter seinen in Nürnberg befindlichen Bildern 
zeichnen sich besonders aus: Im Chor der heiligen Sebaldskirche 
ein Altar mit Flügeln vom Jahr 1513, dessen Mitte die Marie mit 
dem Kinde auf dem Thron, mit Engeln, welche die Krone über dem 
Haupt der Maria halten und musiciren , zu den Seiten die heiligen 
Catharina und Barbara, auf den Flügeln die heiligen Petrus und 
Laurentius, mit dem Stifter Lorenz Tucher und Johannes den Täufer 
und Hieronymus darstellt. In diesem, seinemeHauptwerk, welchem 
eine Zeichnung von Dürer zum Grunde liegen soll, was mir indess 
zweifelhaft ist, sind die Köpfe, bis auf den der Maria, edel, die 
Verhältnisse schlank, die Hände zierlich, die Gewänder von rei- 
nen, an einigen Stellen selbst grossartigen Motiven, die helle und 
klare Färbung bald zart, bald kräftig, die Landschaft des Hin- 
tergrundes gut gedacht, die Gesammtwirkung sehr ansprechend. 
Nahe schliessen sich diesem die heiligen Oosmas und Damianus, 
No. 166 und 167, im Landauer Brüderhause an. Mehr als treues 
Abbild des Dürer erscheint er in dem Bilde mit Goldgrund, Joachim 
und Anna, N0. 57, in der Moritzkapelle. In anderen Werken be- 
nutzt er geradezu Motive seines Meisters, wie in den beiden grossen 
Bildern in der Pinakothek mit der Anbetung der heiligen drei Kö- 
nige, der Sendung des heiligen Geistes, der Auferstehung Christi 
und der Krönung liIariä, N0. 43 und 58. Kein anderer Schüler 
Dürers kommt ihm vielleicht in seinen besten Portraiten so nahe 
wie Kulmbach. Ein Beispiel dieser Art gewährt das Bildniss von 
Jacob Fugger, N0. 557, im Museum zu Berlin. 
Hans Schäuffelin obwohl wahrscheinlich in Nürnberg geboren, 
liess er sich doch als Mcisterf in Nördlingen nieder und starb da- 
selbst im Jahr 1540. Er hielt sich sehr treu an die Kunstweise 
des Dürer, und besass eine mehr reiche, als bedeutende Eründungs- 
gabe. welche besonders glücklich in lebhaft bewegten Handlungen 
war. Es ist ihm zugleich ein wahres und tiefes Gefühl, ein leb- 
hafter Sinn für Schönheit der Formen, für Anmuth der Bewegungen, 
für einen reinen Geschmack der Gewänder eigen. Für die Färbung 
und Behandlung haben offenbar die Werke des alten Friedrich 
Herlen auf ihn einen wohlthätigen Einfluss ausgeübt. Seine Fär- 
bung ist von satterem, wärmeren und_ harmonischerem Ton, als bei 
Dürer, der Vortrag mehr malend und irnpastircnd. Mehrere dieser 
Eigenschaften finden sich indess nur in seinen besten Bildern vor,
        

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