Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258492
Epoche von 1500 bis 1550. 
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mit der Feder sind die Randverzierungen des berühmten Gebetbuchs 
des Kaisers Maximilian I. in der Hofbibliothek zu München. 1 
In buntem Wechsel sieht man hier die Gestalten von Heiligen mit 
allerlei drolligen Einfällen, Thieren und geschmackvollen Windun- 
gen, in der Weise, wie sie so häufig in den Randverzierungen deut- 
scher Manuscripte in dieser Zeit vorkommen. Ein Beispiel hieven 
giebt Fig. 38. 
Nächstdem hat Dürer für Compositionen am häufigsten auf 
einem farbigen Papier, meist grau pder grün, in schwarzer Kreide 
gezeichnet, und die Lichter mit Bleiweiss angegeben. Da das Pa- 
pier ihm hier einen Mittelton gewährte, so musste ihm diese Weise 
sehr rasch von der Hand gehen. 
Die reichste und schönste Folge in dieser Weise ist die Prssion 
von zwölf Blättern vom Jahr 1504 auf grünem Papier, in der vor- 
erwähnten Sammlung in Wien. In der Gleichmässigkeit der Schön- 
heit übertrifft sie die drei anderen Passionen von Dürer, von denen 
noch die Rede sein wird. Er hat für jene Vieles aus dieser entlehnt. 
Zu besonders Heissigen Studien, oder grosser Feinheit der Voll- 
endung, hat Dürer öfter auch auf gefärbtem Papier Alles mit der 
Pinselspitze, in den Schatten mit Tusche, in den Lichtern mit Blei- 
weiss, gemacht. In der Sammlung zu Wien sind vorzügliche Bei- 
spiele dieser Art: die Auferstehung Christi, vom Jahr 1510, mit 
reicher Architektur im Geschmack der Renaissance. Von wunder- 
barer Zartheit und Präcision.  Die Köpfe von drei jungen Frauen 
auf braunem Papier, eine singend. Zur dem tiefer religiösen Gefühl 
kommt hier eine seltne Schönheit der Form und eine erstaunliche 
Zartheit der Ausführung.  Ein aufwärts und ein abwärts blicken- 
der Kopf eines Apostels.  Das Bildniss eines dreiundneunzigjäh- 
rigen Mannes mit langem Bart, vom Jahr 1521, welchen Dürer 
während seines damaligen Aufenthalts in Antwerpen gezeichnet hat. 
Ein wahres Wunder von Präzision des unsäglich fleissigen Machwerks. 
Häufig hat er auch auf meist grundirtem Papier oder auf Per- 
gamentein Deckfarben (Guasch), gearbeitet. Besonders bediente er 
sich dieser, indess öfter mit Aquarell gemischter Weise, um allerlei 
Thiere, Hasen, Kaninchen, besonders aber bunte Vögel, Blumen. 
Pflanzen, Gräser, auszuführen, welche von einer so wunderbaren 
Meisterschaft des Machwerks und einer solchen Kraft und Frische 
1 'l'reü'liche Abbildungen hiervon 
in Steindruck von Strixner.
        

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