Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258485
218 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
weilen sind diese leicht in Aquarellfarben angetuscht. Auch wen- 
dete er, ausser der schwarzen, öfter rothe, grüne und blaue Tinte an. 
Höchst vorzügliche Beispiele von Zeichnungen dieser Art, wie 
von fast allen sonstigen, finden sich in der Sammlung des Erzher- 
zogs Albrecht in Wien, der reichsten an Dürefschen Handzeich- 
nungen, welche es giebt, 1 und von Federzeichnungen in der, in solchen 
ihr am nächsten stehenden, im britischen Museum zu London? 
Aus beiden werde ich einige besonders vortreffliche hervorheben. 
Federzeichnungen aus der ersten sind: Flüchtige Skizze von dem 
Martyrium der 10,000 mit vielen Abweichungen, sowohl von dem 
Bilde, als von dem Holzschnitt. Höchst leicht und kgeistreich, mit 
1507 bezeichnet.  Ein betender Christus. Ebenso edel empfunden, 
als breit und meisterlich ausgeführt.  Die Kreuzigung mit den 
beiden Schächern vom Jahr 1511. Eine sehr reiche Composition. 
Geistreich und leicht hingeworfen.  Die Zeichnung zu dem Holz- 
schnitt des Triumpfwagens von Kaiser Max vom Jahr 1518 leicht 
aquarellirt.  Die Beweinung Christi unter dem Kreuz vom Jahr 
1519. In der reichen und schönen Composition zeichnet sich der 
Christus besonders durch das edle Motiv und die völligen Formen 
aus.  Christus am Kreuz mit Maria und Johannes vom Jahr 1521. 
Höchst breit und meisterlich im Vortrage.  Als vorzügliches Bei- 
spiel eines mit der Feder gezeichneten Portraits nenne ich hier das 
von Felix Hungersperg, eines berühmten „Lautenschlägers" wie ihn 
Dürer nennt, als Brustbild und in ganzer Figur, in knieender Stel- 
lung, vom Jahr 1520.  Federzeichnungen aus der zweiten Samm- 
lung sind der Entwurf zu einem sehr reichen Springbrunnen im 
gothischen Geschmack, leicht aquarellirt.  Die Originalzeichnung 
zu dem seltnen Holzschnitt mit dem Satyr.  Ein sich auf der Vio- 
line begleitender Sänger. Höchst fein im Gefühl und von unge- 
wöhnlicher Grazie des Motivs.  Venus und Amor, welcher sich 
über den Bienenstich beklagt, leicht aquarellirt. In Schönheit der 
Formen und Grazie des Motivs eine der trefflichsten weiblichen 
Figuren des Meisters. 
Das Hauptwerk für die ornamentale Anwendung des Zeichnens 
1 In diese, ursprünglich von dem Herzog von Sachsen Taschen gebildete, sind 
sämmtliche Zeichnungen Dürers aus der früheren Kaiserl. Sammlung übergegangen. 
 2 Den Hauptbestandtheil derselben bildet ein Band mit über 150 ächten Hand- 
zeichnungen, früher im Besitz des berühmten Sammlers, Grafen Arundel. Näheres 
hierüber in meinen Treasures Th. I. S. 229 R". und, zugänglicher, in Naumanns 
Archiv u. s. w. vom Jahr 1858, S. 33 ff. vom Oberbaurath Hausxnann.
        

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