Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258479
Epoche von 1500 bis 1550. 
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Mehr als gewöhnlich ist hier das Fleisch in einem röthlichen L0- 
kalmn von grosser Klarheit modellirt. Auch die Behandlung des 
schwarzen Rocks, des warmbraunen Pelzwerks, ist höchst vorzüg- 
lich. Nicht minder trefflich in Lebendigkeit der Auffassung, wie 
in der Zeichnung ist das Bildniss eines anderen Freundes von Dürer, 
des Jakob Muffe], Bürgermeisters von Nürnberg, in der Gallerie des 
Grafen Schönborn zu Pommersfelden. Nur in der Färbung steht 
es jenem, da die Modellirung in den Lichtern gegen das Weiss, in 
den Schatten gegen das Schwerbraune geht, nach. Noch schwächer 
in der Farbe und grauer in den Schatten, wenn schon übrigens 
von ähnlicher Meisterschaft, ist das Bildniss eines dritten Nürnberger 
Patriziers, des Johann Kleberger, in der Gallerie zu Wien. Auch 
ist der Gedanke, ihn in einem Rund, als Büste, darzustellen, nicht 
glücklich. 
Eine grosse Anzahl von Gemälden, welche in den Gallerien, 
wie in Privatsammlungen, in ganz Europa, den Namen des A Dürer 
tragen, sind hier absichtlich übergangen worden. Von keinem 
Meister giebt es nämlich so viele Bilder, welche demselben irrig 
beigemessen werden, als von Dürer, nach dessen Kupferstichen und 
Holzschnitten oft technisch sehr geschickte Maler, denen es indess 
an Erfindungsgabe gebrach, Bilder ausgeführt haben, welche in der 
Regel für Originale von A. Dürer ausgegeben werden. 
Um den wunderbaren Reichthum, die ausserordentliche Mannig- 
faltigkeit der Aeusserungen des Kunstgenius von Dürer kennen zu 
lernen, ist indess eine genaue Bekanntschaft mit seinen Handzeich- 
nungen, sowie mit seinen Kupferstichen und Holzschnitten unerläss- 
lich. In allen diesen kommt er nämlich in seiner Haupteigenschaft 
als Zeichner zur ungestörten und unbedingten Geltung. 
In Betreif der Handzeichnungen bemerke ich zuvörderst, dass 
sich Dürer dazu nach der jedesmaligen Absicht eines sehr verschie- 
denen Materials bediente. 
Sowohl für die ersten Entwürfe von Compositionen, als für aus- 
geführtere, für Studien nach der Natur, welche rasch gemacht sein 
wollen, für Zeichnungen von ornamentalem Charakter, bediente er 
sich meist der Feder, welche er mit einer Leichtigkeit, Sicherheit 
und Meisterschaft gebrauchte, wie kein anderer Künstler. Gele- 
gentlißh führte er auch ein Bildniss mit derselben auS- Sicher 
dürfte kein anderer der grossen Meister eine so ausserordentliche 
Anzahl von Zeichnungen in dieser Manier gemacht haben. Bis-
        

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