Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258198
Epoche von 1460 bis 1500. 
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ähnlich. Er ist sehr warm und kräftig, sie blass aber klar und zart 
in der Färbung. 
Gleichzeitig mit seiner Thätigkeit als Maler führte Zeitblom, 
nach Harzens Ansicht, auch eine Anzahl von Blättern mit der kalten 
Nadel, oder in der geritzten Weise, aus, welche, wegen der grossen 
Uebereinstimmung mit den oben besprochenen Kupferstichen, ihm 
von jenem Forscher beigemessen werden. Während er in seinen 
Gemälden sich im ausschliesslichen Dienst der Kirche hielt, hat er 
in diesen Blättern seinem, ihm schon so früh eignen Sinn für eine 
lebendige und öfter hinnoristische Auffassung von gewöhnlichen 
Vorgängen, unter denen karikirte Gruppen von Bauern und Vaga- 
bunden besonders häufig sind, Genüge gethan. Die grosse Selten- 
heit dieser geritzten Blätter, von denen sich nur im Museum zu 
Amsterdam eine ganze Reihe befindet, erklärt Harzen dadurch, 
dass er solche lediglich zu seinem Vergnügen gemacht und daher 
nur eine geringe Anzahl von Abdrücken abgezogen haben möchte. 
Ueber das Todesjahr dieses grossen Künstlers ist nichts mit Sicher- 
heit ermittelt, indess dürfte derselbe wohl zwischen 1517 und 1520 
fallen, indem um diese Zeit alle Nachrichten von ihm in den 
Steuerregistern von Ulm versiegen. 
In Oisterreichwblühte in dieser Epoche der treffliche Maler 
Pacher von Brunecken, von dem sich die Flügel eines, mit 
seinem Namen und 1481 bezeichneten, sehr grossen Altars, dessen 
Mitte von einem höchst ausgezeichneten, die Krönung Mariä dar- 
stellenden Schnitzwerk gebildet wird, zu St. Wolfgang, einem 
Orte in der Nähe von Ischl, befinden. In der Art seiner realisti- 
schen Auffassung, in der Zusammenstellung, und in der kühlen 
Gesammtstimmung der Farben, erkennt man, dass er sich in der 
schwäbischen Schule und insbesondere in der von Augsburg gebildet 
hat. Die sechszehn auf den, auf beiden Seiten bemalten Flügeln 
befindlichen Bilder sind von so ansehnlichem Umfang, dass die 
Figuren eine Grösse von etwa zwei Drittel der Natur haben. Die 
Vorgänge aus dem Leben der Maria und Christi, welche sie ent- 
halten, sind mit Einsicht componirt, die öfter noch etwas unbehülf- 
liehen Motive wahr, die bisweilen hübschen, und, in Betracht der 
Zeit, sehr individualisirten Köpfe, von edlem Gefühl, die Zeichnung 
gut, besonders die Hände geschickt bewegt, die Gewänder mit 
deutlicher Angabe der Stoffe, Brocat u. s. w., zwar von scharfen 
Brüchen, aber guten Hauptmotiven, die architektonische Räumlich-
        

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