Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1258049
174 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
Seine Gemälde gehören jetzt zu den grössten Seltenheiten und 
würden bei weitem nicht ausreichen die Eigenthümlichkeit dieses 
Künstlers in ihrem ganzen Umfange kennen zu lernen. Glücklicher- 
weise werden wir durch eine ansehnliche Zahl von ihm, nach seinen 
eignen Erfindungen ausgeführten Kupferstichen 1 hiezu in den Stand 
gesetzt. Aus denselben erscheint er als ein Künstler von einer sehr 
reichen Eriindungsgabe auf dem Gebiete der kirchlichen Kunst, so- 
wohl in der Darstellung einzelner Figuren, als grösserer, bisweilen 
sehr bewegter, Compositionen. Hierin und in seinem höchst feinen 
Sinn für Schönheit der Form in den Köpfen, für Reinheit und Ver- 
klärtheit des Gefühls, worin er die Richtung der deutschen Malerei 
in der vorigen Epoche zu völliger Individualisirung ausbildete, ist er 
seinem grossen Meister Rogier überlegen. Durch seine Stiche, welche 
auch in der Mehrzahl eine ausserordentliche technische Ausbildung 
verrathen, erreichte er daher einen europäischen Ruf. In diesen 
ist nun der Einfluss der Schule der van Eyck unverkennbar, wie 
Passavant richtig bemerkt, und hiefür als besonders bezeichnend die 
Maria mit dem Papagei (Bartsch N0. 29) anführt. 2 Jene trefflichen 
Eigenschaften besitzen in vorzüglichem Grade folgende Blätter: der 
Tod Mariä (Bartsch N0. 33), die Kreuztragimg (B. N0. 21), die Ver- 
kündigung (B. N0. 1 und 2), die Anbetung der Könige (B. N0. 6), 
die Flucht nach Aegypten (B. N0. 7), die Taufe Christi (B. N0. 8), 
Christus am Kreuz (B. N0. 23), Maria mit dem Kinde (B. N0. 30), 
Maria als Brustbild mit dem Kinde (B. N0. 31, Fig. 31), der heilige 
Laurentius (B. N0. 56), die KrönungMaria. (B. N0. 72), der segnende 
Christus (B. N0. 70), die heilige Magdalena (B. Th. X. S. 29). die 
Blätter der Passion (B. N0. 9-20), hieraus die Kreuzigung (Fig. 32), 
die fünf klugen und fiinf thörichten Jungfrauen (B. N0. 77-86). 
Nur ausnahmsweise, aber dann mit grosser Energie, berührt er das 
Gebiet des Phantastischen, wie in seiner Versuchung des heiligen 
Antonius (B. Nr. 47), von welcher Vasari bezeugt, dass Michelangelo 
sie in seiner Jugend mit der Feder kopirt habe. Gelegentlich zeigt 
er auch eine gesunde Ader für Humor in Darstellungen aus dem 
 
gegen ein Originalzengniss, wie das oben nach Hugot angeführte, die spätere 
Abschrift eines solchen, wie sie früher derselbe Hugo: (s. das Kunstblutt 1841, 
S. 59) gefunden und wonach M. Schongauer schon 1488 gestorben sein S011, in 
Betracht kommen. Letzte Angabe durch Annahme eines Schreibfehlers mit der 
Angabe auf jenem Zettel m Uebereinstimmung zu bringen, wie passavant versucht, 
um dadurch die Aussage von Scheurl zu entkräften, erscheint mir dahe: als 
willkührlich. 
1 Bartsch V01. VI. S. 103 f. zählt 90 Blätter von ihm auf.  9 Ebend. S. 107.
        

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