Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257956
Epoche von 1460 bis 1500. 
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In Köln tritt uns hier ein namenloser Maler entgegen, der nach 
Aufschriften auf seinen Bildern von 1463-1480 geblüht hat, und 
nach einem seiner, einst im Besitz des Herrn Lyversberg in Köln 1 
befindlichen Hauptwerke, einer Passion von acht Bildern, der Meister 
der Lyversberg'schen Passion genannt wirdß In diesem Werke haben 
die meisten Compositionen etwas Zufälliges, und die Farbenwirkung 
ist hart, die Kriegsknechte von widriger Roheit. Dagegen ist das 
Pathos in vielen Köpfen sehr stark, der Kopf Christi würdig. Ein 
anderer Altar, in der Kirche in dem kleinen Orte Linz am Rhein, 
mit 1462 bezeichnet, welcher Vorgänge aus dem Leben Mariä, der 
Passion und den Oanonieus Tilmann Joel, als Stifter, enthält, steht 
auf einer höheren Stufe der Ausbildung. In einigen Bildern, wie 
in der Krönung Mariä, ist eine bessere Gesammtwirkung erreicht, 
und die Maria selbst von sehr edler Bildung. Auch in einem an- 
deren Altarbilde, zu Sinzig am Rhein, dessen Mitte die Kreuzi- 
gung darstellt, erscheint er mehr zu seinem Vortheil. Am bedeu- 
tendsten ist indess, sowohl in der Composition, als in den schönen 
und eigenthümlichen Motiven und den lebendigen und wahren Köpfen 
von ergrcifendem Ausdruck, eine Kreuzabnahme vom Jahre 1480 
im städtischen Museum in Köln. (Die Flügelbilder sind erst später 
hinzugekommen.) Unter den zahlreichen Bildern dieses Meisters in 
der Pinakothek zu München zeichnen sich besonders aus, ein 
Altar mit Flügeln, worauf einige Apostel und Johannes der 
Täufer (Cabinette N0. 18, 21, 22), die Vermählung und die Krö- 
nung Maria, endlich Joachim und Anna an der goldnen Pforte 
(N0. 20, 31, 32). Auf dem letzten befindet sich das sehr lebendige 
Bildniss des Stifters der ganzen Folge, eines Geistlichen, Namens 
Johann de Mechlinn. Ein zu derselben Folge gehöriges und eben- 
falls sehr gutes Bild befindet sich, unter No. 23, in der Sammlung 
des Prinzen Gemahl zu Kensington. 
Auf das Engste schliesst sich diesem Meister der Urheber einer 
Beirveinung Christi vom Jahr 1480 im Kölner Museum an. In 
der Composition zeigt sich hier die Ueberlegenheit der deutschen, 
über die altniederländisehe Schule, zugleich ist das Gefühl in den 
1 Jetzt im Besitz des Herrn Baumeister in Köln.  2 Nach einer ganz will- 
kührliehen Benennung der Herrn Boisseräe tragen die Werke dieses Meißen in 
der Pinakothek, lmd in der Moritzkapelle zu Nürnberg noch immer den irrigen 
Namen 181'801 van Meckenen, während es urkundlich feststeht, dass es niemals 
einen Maler, sondern nur einen Goldschmidt und Kupferstecher, 1118595 Namens 
gegeben hat.
        

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