Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257940
164 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
findungen, so wie viel mehr Sinn für eine wohlabgewogene Ver- 
theilung der Figuren in dem jedesmal gegebenen Raume, oder für 
eine stylgemässe Composition. So sind sie auch den Niederländern 
in der Zeichnung überlegen. In den Köpfen heiliger Personen 
halten sie öfter noch aus der vorigen Epoche eine höhere und 
ideellere Schönheit fest. Dafür verfallen sie aber auch bei Personen, 
WO es die Darstellung geistiger Verworfenheit gilt, in ungleich rohere 
und widrigere Karikaturen, als die Niederländer, und in grössere 
Magerkeit der Glieder, besonders der Hände. In den Gewändern 
iindet die zuerst in den Bildern des Jan van Eyck vorkommende 
Weise der scharfen und eckigen Brüche viele Nachfolge und eine 
weitere Ausbildung. Entschieden aber stehen sie jenen in folgenden 
_Stücken nach. 1) In dem Gefühl fiir Anmuth der Bewegung. Die 
'Motive haben bei ihnen etwas Eckigeres und Ungeschickteres. 
2) Im Farbensinn. Die Farben sind bei ihnen bald bunter, bald 
trüber und schwerer. 3) Im Sinn für Helldunkel und Ausbildung 
der Räumlichkeit. Ein Bild in der Wirkung des Lichts als Ganzes 
zu behandeln, wie dieses schon bei Jan van Eyck vorkommt, stellen 
sie sich erst sehr spät als Aufgabe. Lange wird noch der Gold- 
grund beibehalten, oder ist mindestens die Angabe der Räumlich- 
keit sehr einfach und allgemein. 4) In der Behandlung mit dem 
Pinsel. Die Umrisse bleiben härter, die Ausführung geht lange 
nicht so weit in der Wiedergabe des Einzelnen. Ueberhaupt wird 
die Malerei häufig insofern mehr handwerksmässig betrieben, als 
selbst grossc Meister, nach Maassgabe der Bestellung, dieselbe ganz 
allein ausführen, oder sich dabei wenig, oder auch gar nicht be- 
theiligen, sondern dieselben bald mehr bald minder begabten 
Gehülfen überlassen. Daher erklärt sich die erstaunliche Ungleich- 
heit der öfter mit dem Namen bezeichneten, oder sonst urkundlich 
beglaubigten Bilder eines Meisters. Innerhalb dieser allgemeinen 
Bestimmungen ist indess das Verhältniss der verschiedenen deutschen 
Schulen zu der niederländischen wieder ein verschiedenes. 
Die Schule 
dem Niederrhein. 
von Köln und 
Die Meister dieser Schule stehen in der Kraft der Färbung und 
der Gediegenheit des Maehwerks der Schule der van Eyck oft sehr 
nahe, haben aber an sich wenig Eigenthümliches.
        

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