Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257930
Epoche von 1460 bis 1500. 
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stigen Auffassung der vorigen Epoche ein erfolgreiches Bestreben 
nach naturwahrerer Ausbildung des Einzelnen Endet, beweist be- 
sonders der 1431 von Lucas Moser ausgeführte Magdalenenaltar zu 
Tiefenbronn. Die Flügel, welche Vorgänge aus der Legende 
jener Heiligen, sowie der Martha und des Lazarus, die Altarstafel, 
welche Christus mit den fünf klugen und fünf thörigten Jungfrauen 
enthält. Die Modellirung der lieblichen Köpfe in warmer Färbung 
ist sehr lleissig, Hände und Füsse von auffallender Natur-Wahrheit. 1 
Für das benachbarte Elsass weist einen ähnlichen Zustand der 
Malerei ein, 1428 beendigtes, Manuscript der Bibel mit Miniaturen 
in der König]. Bibliothek zu München nach. Das Bildniss des 
Bischofs, für den der Codex geschrieben worden, ist schon sehr in- 
dividuell. Ob ein Johann Freybechk aus dem Kloster Königsbrück 
im Elsass, welcher sich am Ende des Oodexes als Verfertiger nennt, 
auch an den Malereien Antheil hat, ist schwer zu entscheiden. 2 
Ein Aehnliches beweist für Oesterreich ein für den Kaiser Fried- 
rich III. in den Jahren 1447 und 1448 geschriebenes, grosses Missale 
in der Kaiserlichen Bibliothek zu Wien (N0. 1767). 3 
Fünftes 
Kapitel. 
der van 
Die deutschen Schulen in der realistischen Richtung 
Eyeläschen Schule von 1460-1500. 
Vornehmlich in Folge des Umstandes, dass mehrere deutsche 
Maler die Werkstatt des älteren Rogier van der Weyden zu Brüssel 
besuchten, von denen uns Martin Schongauer und Friedrich Herlen 
namentlich bekannt sind, wurde, etwa vom Jahr 1460 ab, die ganze 
Klmstweise der van Eyck, einschliesslich ihrer Oelmalerei, in den 
verschiedenen Malerschulen Deutschlands in der Form eingeführt, 
zu welcher jener Rogier sie ausgebildet hatte. Indess machte sich 
dabei doch wieder die Eigenthümlichkeit der Deutschen sehr ent- 
schieden geltend. Im Ganzen findet sich bei ihnen auf dem Gebiete 
der kirchlichen Malerei ein ungleich grösserer Reichthum von Er- 
1 Siehe Näheres bei Hotho Th. I. S. 460 ff.  
Notiz im Deutschen Kunstblatt von 1850. S. 323. 
Ort S. 324. 
in meiner 
demselben 
3 Siehe Näheres 
 3 Näheres an
        

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