Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257881
158 
III. 
Buch. 
Kapitel 
der van Eycliüsehen Schule aus den benachbarten Niederlanden. 
Für denselben spricht auch die naturgemässe Ausbildung der Kör- 
per, die vollendetere Zeichnung, namentlich in der freien Bewegung 
der trefilichen Hände, endlich die, in den noch erhaltenen Theilen, 
sorgfältige Modellirung. In dem Kopfe und den rundlichen Füflllen 
des Kindes giebt sich wieder der reinere Sehünheitssinn der altkölni- 
sehen Schule kund. Von dem Flügel mit der heiligen Ursula, 
welcher indess kunstloser in der Anordnung und einförmiger in den 
Köpfen ist, erfolgt hier eine Abbildung (Fig. 29). Die gleichförmige 
Blässe des Fleischtons ist eine Folge des zu starken Putzcns, denn 
alle erhaltenen Theile des Bildes zeigen eine eher warme, und wohl 
zusainmenstimmende Färbung. Von besonderer Schönheit in Form 
und Gefühl ist der noch wohl erhaltene Kopf der Maria auf der 
Verkündigung der Aussenseite der Flügel. Die hier schon völlig 
ausgebildeten, scharfen und eckigen Falten der Gewänder, von denen 
das älteste Beispiel in einigen Theilen des, 1432 beendigten, Genter 
Altars der Brüder van Eyck vorkommt, sprechen auch dafür, dass 
dieses Bild erst gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts ausgeführt 
sein kann, und daher der spätesten und reifsten Zeit des Meisters 
angehören muss. Als einen Beweis hiefür möchte ich noch ganz 
besonders ein Bild von ihm im Museum zu Darmstadt, die Dar- 
stellung im Tempel, geltend machen, welches, obwohl dem Dombilde 
ilahe verwandt, doch in dieser Kunstforrn minder ausgebildet ist, 
und die Jahrzahl1447 trägt. Endlich kommt hier noch in Betracht, 
dass das Dombild sicher in Oel gemalt ist, welche Weise bestimmt 
erst gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts in Deutschland Eingang 
gefunden hat. Auch England- besitzt von diesem seltnen LIQlSiBY 
wenigstens ein Bild aus seiner etwas früheren Zeit. Es stellt die 
Heiligen: Katharina, Matthäus und Johannes den Evangelisten dar 
und befindet sich in der Sammlung des Prinzen Gemahl zu Ken- 
sindgton unter N0. 22. ' 
Ein schönes Beispiel, wie die Kunstform des Meisters Stephan 
in einer in kindlicher Poesie mit den heiligsten Gegenständen spie- 
lenden Weise in Anwendung gekommen, bietet das, durch Vermächt- 
niss in den Besitz der Stadtbibliothek gelangte Paradiesgärtlein der 
Prehn'schen Sammlung in Frankfurt dar. Es ist eine Art von 
Genrebild in den Formen einer kirchlichen Kunst. WYährend die 
heilige Jungfrau neben einem Tische, worauf Früchte und ein Glas, 
liest, spielt das in Blumen sitzende, bekleidete Kind auf einem, ihm
        

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