Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257836
Epoche von 1490 bis 1530. 
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ziehen durch die lebendigen Köpfe und die meisterliche Ausführung, 
letzteres auch durch die warme, kräftige Färbung, ungemein an. 
Die Geistesart dieses Künstlers und was er vermocht, ist indess 
ungleich mehr aus seinen zahlreichen, und theilweise mit; seltener 
Meisterschaft ausgeführten Kupferstichen abzunehmen, deren Bartseh 
174 aufführtß Zu den ausgezeichnetsten dieser Blätter gehören. 
Esther und Ahasverus (Bartsch N0. 31), die Anbetung der Könige 
(B. N0. 37), Christus dem Volk gezeigt (B. N0. 71), die Kreuzigung 
(B. N0. 74); bei den beiden letzteren ist die Auffassung schon ganz 
landschaftlich. Die Rückkehr des verlorenen Sohns (B. N0. 78), 
der Tanz der Magdalena (B. N0. 122), und das Milchmädchen (B. 
310.158). Der Eulenspiegel (B. N0. 159) ist mehr durch seine sehr 
grosse Seltenheit, als durch seinen künstlerischen NVerth berühmt 
geworden. ,Die Versuchung des heiligen Antonius, B. N0. 117 
(Fig. 28) ist sehr merkwürdig als das Werk eines fünfzehnjährigen 
Knaben. Dasselbe gilt auch von der 1509 ausgeführten Passion in 
neun runden Blättern (B. N0. 57-65). Die Kreuzigung ist sogar 
ungleich besser als meist componirt, besonders die ohnmächtige 
Maria edel im Motiv, in den Zügen und im Ausdruck. Dagegen 
ist die Kreuztragung sehr manierirt in den Motiven, der Christus 
vo1' Pilatus aber höchst widrig. Die Technik in diesen Blättern 
verdient indess durchgehende Bewunderung. In jedem Betracht am 
meisten befriedigend ist endlich sein im Jahr 1520 gestochenes 
Bildniss des Kaisers Maximilian I. (B. N0. 172).  
Joachim Patenier, oder richtiger de Patenir, aus Dinant, welcher 
im Jahr 1515 als Meister in die Malergilde zu Antwerpen aufge- 
nommen, nnd angeblich 1490 geboren, 1545 gestorben ist, malte in 
seiner früheren Zeit noch historische Bilder im Geschmack der van 
Eyck'schen Schule, in der späteren aber in dem des Lucas van Leyden. 
Dadurch, dass er häufig die Figuren im Verhältniss zu dem land- 
sdhaftlichen Hintergründe so verkleinerte, dass jene Nebensache, 
dieser die Hauptsache, wurde er in den Niederlanden der Urheber 
der Landschaftsmalerei, als eines besonderen Faches. In seinen 
früheren Bildern ist er von einem warmen, in seinen späteren von 
einem kühlen Ton. Seine älteren Landschaften sind meist von 
phantastischer Erfindung, überladen mit Einzelheiten, hart und bunt 
und 1'011 Sehr mangelhafter Perspektive. In seinen späteren herrscht 
peintre graveur. 
V01. 
VII  
331.
        

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