Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257826
152 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
von einer ausserordentlichen Lebendigkeit, und trefflicher Zeichnung, 
die Färbung ist von seltner Kraft und Klarheit, die sehr ins Ein-- 
zelne gehende Ausführung von bewundcrungswürdiger Meisterschaft. 
Kein anderes Bild rechtfertigt so sehr den grossen Ruf, welchen 
dieser Künstler in seiner Zeit genoss, als dieses. 
Unter den vollständig beglaubigten Bildern von ihm nimmt eine 
Maria mit dem Kinde, welchem der Stifter von der Magdalena dar- 
gestellt wird, in der Pinakothek zu München, Cabinette N0. 151„ 
eine der ersten Stellen ein. NVie van Mander berichtetf ursprüng- 
lich ein Diptychon und früher im Besitz von Frans Hooghstraet bei 
Leyden, wurde es zu seiner Zeit von Kaiser Rudolph II. erworben. 
Jetzt ist es zu einer Tafel umgestaltet, auf deren Rückseite sich 
indess noch immer die, früher auf der Aussenseite des Diptychons 
vorhandene, Verkündigung Mariä findet. Die Figuren sind, bis auf 
das recht lebendige Bildniss des Stifters, von ziemlich gleichgültigem 
Ausdruck. Das Fleisch ist von etwas schwachem, die übrigen Far- 
ben, besonders das Roth, von kräftigem Ton, die Ausführung iieissig. 
Es ist mit dem gewöhnlichen L und dem Jahr 1522 bezeichnet. 
Das bedeutendste, von diesem Meister in einer Gallerie befind- 
liche Gemälde ist die Heilung des Blinden in der Eremitage zu 
St. Petersburg, eine reiche Composition in bergigter Landschaft, 
von warmem Ton und gediegener Ausführung. 
Das vielleicht einzige, noch vorhandene Beispiel seiner, in Leim- 
farben auf Leinwand gemalten Bildern, deren er nach dem Bericht 
des van Mander, verschiedene ausgeführt, ist in der Sammlung der 
kaiserl. Akademie der Künste zu Wien befindlich, und stellt, ziem- 
lich gross, die Sibylle vor, welche dem Kaiser Augustus in der Luft 
die heilige Jungfrauimit dem Christuskinde zeigt. Die Oomposition 
ist schön, die Köpfe geistreich, die Verhältnisse der Figuren etwas 
lang, die Farben indessen jetzt verblichen. 
Zwei mir von ihm bekannte Bilder aus dem Gebiet der Genre- 
malerei beweisen, dass dergleichen der Sphäre seines Talents eigent- 
lich am meisten zusagten. Das eine, Männer und Frauen um einen 
Spieltisch, befindet sich in England zu Wiltonhouse, dem Sitz 
desGrafen Pembroke, das andere, eine Schachpartie zwischen einem 
Mann und einer Frau, von zehn anderen Figuren umgeben, begitzt der 
kgl. preussische Gesandte in Wien, Baron v. Werther, Beide Bilder 
136 a.
        

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