Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257800
150 III. Buch. 3. Kapitel.  
setzten. Ein grosses "jüngstes Gericht von ihm befindet sich in der 
Sammlung der kaiserlichen Akademie der Künste in Wi e11, ein an- 
deres in vielen Theilen damit übereinstimmendes, im Museum zu 
B erlin (N0. 563), eine Versuchung "des heiligen Antonius im Museum 
zu Antwerpen (N0. 41). Die Technik ist bei ihm noch die alte, 
 die Ausführung scharf und fleissig. 
Eine ganz verschiedene Richtung schlug der folgende Künstler ein. 
Lne Jacobsz, genannt Lucas yan Leyden, geboren 1494, gestor- 
ben 1:333, der Schüler des Engelbreehtsen, ein Künstler von sehr 
vielseitigen Fähigkeiten, und sehr früher Entwicklung, welcher treff- 
lieh in Oel, in Leimfurben und auf Glas malte, zeichnete, und in 
Kupfer stach, führte die, in so edler Weise von Hubert van Eyck 
eingeschlagene Richtung des Realismus in Behandlung heiliger Ge- 
genstände, auf das Wiedergeben derselben durch die gewöhulic-hsten 
Gesichtsbildungen, so wie der Art von Umgebung, welche man 
genrehaft nennt, herab und sank somit tief von jener grossen Höhe 
herunter. Ueberdem sind seine Köpfe meist noch von sehr hässlichen 
und einförmigen Ziigeu mit langen trocknen Nasen und geschwollenen 
Oberlippen, seine Motive gewaltsam und manierirt, die Falten seiner 
Gewänder lahm und lappig, der Ausdruck seiner Köpfe meist gleich- 
gültig und reizlos. Indess sagte seine Kunstform dem Sinne der 
Zeit zu, und fand, durch die ausserordentliche Meisterschaft, womit 
sie, besonders in seinen Kupferstichen, ausgebildet ist, bei den 
Künstlern eine sehr zahlreiche Nachfolge. In Vorgängen aus dem 
gemeinen Leben ist er oft voll Wahrheit und Feinheit der Natur- 
beobachtuug und zeigt gelegentlich auch einen derben Humor. 
Nichts war dagegen seinem Kunstnaturell fremder, als das Gebiet 
der Allegorie. Wenn sich hiezu noch die Nachahmung italienischer 
Kunst gesellt, wie bei seinen, im Jahr 1530 gestochenen, Eig-en- 
schaften, des Glaubens, der Hoifnung, der Liebe u. s. w. (N0. 127 bis 
133 seiner Kupferstiche bei Bartsch), so ist der Eindruck, durch die 
gemeinen Köpfe, die kurzen Proportionen, die dicken und plumpen For- 
men der nackten Körper vollends in einem hohen Grade wiclerstrebend. 
Die echten Bilder dieses Meisters sind ebenso selten, als die 
unechten, welche meistens von anderen Künstlern nach Beinen 
Kupferstichen ausgeführt worden, zahlreichu Die kurze Lebensdauer, 
die Kränklichkeit seiner letzten Jahre, die grosse Zahl seiner Kupfer- 
stiche und der nach seinen Zeichnungen ausgeführten Holzsclmitte 
erklären auch diese Seltenheit hinlänglich.  
III. 
Buch. 
Kapite
        

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