Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257786
148 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
ronymus her, welcher in seinem, reich mit Büchern und sonstigen 
Hausrath ausgestatteten, Zimmer auf einen Todtenkopf weist, und 
als Memento mori von mehr oder minder geschickten Malern sehr 
häufig wiederholt worden ist. Das ursprüngliche und unzweif el- 
hafte Original aller dieser Bilder von Q. Massys befindet sich in 
der gewählten Sammlung des Grafen d'Arrache zu Turin. 
Das einzige mir bekannte Beispiel, dass dieser Meister auch 
_einen geschichtlichen Gegenstand behandelt hat, ist eine, irrig dem 
älteren Lucas Cranach beigemessene, Lucretia in der Gallerie zu 
Wien. Das tiefe Gefühl im Kopfe, die Transparenz in den Schatten, 
die ausserordentliche Gluth in dem rothen Mantel, die zarte Vollens 
dung, sprechen hier für ein Werk aus seiner besten Zeit. 
Zu seinen eigenthümlichsten und anziehendsten Bildern gehören 
aber halbe Figuren von Christus und Maria, welche schon in seiner 
Zeit sehr angesprochen haben müssen, indem er sie verschiedentlich 
wiederholt hat. Zwei Köpfe der Art von wunderbarer Zartheit in 
Gefühl, Farbe und Ausführung befinden sich im Museum zu Ant- 
werpen (No. 42 und 43), zwei andere, von gleicher Schönheit, 
nur dass der Christus etwas schwerer im Ton ist, aus der Sammlung 
des Königs der Niederlande, in der Nationalgallerie zu London. 
Von seinen Genrebildern ist das, unter dem Namen "die beiden 
Geizhälse" bekannte, in Windsorcas tle das berühmteste (Fig.  
Weder dieses, noch die anderen, mir bekannten Exemplare dieser 
Composition kann ich indess für das, wahrscheinlich verlorene, 
Original, sondern nur für Wiederholungen, in der Mehrzahl von 
seinem Sohn Jan Massys haltenß Ein echtes und bezeichnetes 
Bild dieser Art ist ein Geldwechsler, welcher Gold wiegt, von einer 
imgemeinen Feinheit im Louvre (N0. 279). 2 
Cornelius Engelbrechtsen, geboren zu Leyden 1468, gestorben 
1533, weicht in dem einzigen beglaubigten Werke von ihm, einem 
Altarbilde im Rathhause zu L eyden, dessen Mittelbild dieKreuzig-ung, 
die Flügel in der bekannten symbolischen Beziehung, das Opfer des 
Abraham und die Errichtung der ehrnen Schlange, die Altarstaßel 
den durch Christi Tod wiederzubelebenden todten Adam vorstellt, 
sehr von den obigen Meistern ab. In den Köpfen der Frauen von 
länglichen Ovalen und geraden spitzen Nasen, herrscht ein gefälli- 
1 Eine genaue Prüfung auf der Ausstellung in Manchester im-Jaht 1857 hat 
mich hievon überzeugt.  2 Ich habe mich später, gegen mein früheres Urtheil 
(Kunstwerke und Künstler in Paris S. 544), von der Echtheit überzeugt.
        

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