Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257747
144 
III. 
Buch. 
Kapitel 
unbedingt einer der ausgezeichnetsten Maler in derselben. Er com- 
ponirt mit vieler Einsicht, ist ein tüchtiger Zeichner, ein warmer 
Colorist, von einer seltnen Meisterschaft der Malerei, und einer Ge- 
diegenheit in der Durchbildung aller Theile, welche von wenigen. 
seiner Zeitgenossen erreicht wird. Nur fehlt es ihm an einer ge- 
wissen Wärme des religiösen Gefühls. Weit sein Hauptwerk aus 
dieser Epoche ist eine, mit seinem Namen bezeichnete, Anbetung 
der Könige in Castle Howard, dem Landsitze des Grafen von 
Carlisle im nördlichen England, eine reiche Composition von grossem 
Umfange und trefiiich erhaltenß Näehstdem ist ein Bild mit der 
Legende des Grafen von Toulouse, der als Pilger nach Jerusalem 
wallfahrtete, bei Sir John Nelthorbe auf dessen Landsitz Seawby 
in Lincolnshire, wegen der grossen Wahrheit, wie der Vorgang dar- 
gestellt ist, hervorzuheben?  Auch zwei Bilder im Museum von 
Antwerpen, Maria trauernd mit Johannes und anderen Frauen, 
und die gerechten Richter, eine Gruppe von Reitern (N0. 55 u. 56), 
endlich die Bildnisse der Kinder Heinrich VII. zu Hamtonconrts 
verdienen erwähnt zu werden. 
Gegen das Ende des 15. Jahrhunderts wird Antwerpen, in Folge 
des Handels, welcher sich von Brügge dorthin gezogen hatte, für 
lange Zeit der Hauptmittelpunkt der Kunst und namentlich der Ma- 
lerei in den Niederlanden. Gleich jetzt begegnen wir hier dem 
grössten belgischen Maler seiner Zeit, Quentin Messys, oder 
richtiger Massysß Er wurde aus einer in Antwerpen schon 
länger ansässigen Malerfamilie, wahrscheinlich um 1460, geboren, 
betrieb aber, bevor er Maler wurde, das Handwerk eines Schmieds, 
und starb im Jahr 1530 oder 1531. Er bezeichnet recht eigentlich 
den Schluss dieser, und den Anfang der nächsten Epoche. In einer 
Anzahl von Bildern, welche heilige Gegenstände darstellen, findet 
sich, bei wenig Sinn für eigentliche Schönheit der Formen, eine 
Feinheit der Gesichtszüge, eine Schönheit und Innigkeit des Gefühls, 
eine Zartheit und Klarheit der Farbe, eine Meisterschaft der sorg- 
fältigen Vollendung, welche die religiöse Stimmung des Mittelalters 
am Ende desselben noch einmal in würdigster Weise anklingen 
lässt. Auch in seinen Gewändern herrscht ein zartgebrochener, nur 
1 S. Treasnres T. III. S. 320 f. Eine gute Photographie hievon hat Coluaglxi 
in London herausgegeben.  2 S. Treasures T. IV. S. 507.  3 S. Trensiues 
T. II. S. 364.  4 S. über alle obige historische Nachrichten von diesem Meister 
den Catalog des Museums von Antwerpen von 1857, S. 42 ff, und meine Notiz im 
Kunstblatt von 1847. S. 202.
        

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