Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257680
138 
III. 
Buch. 
Kapitel 
eines Anklanges von Wehmuth, als energisch. Die Züge sind häufig 
selbst schön, aber in den weiblichen Köpfen etwas eiuförmig. Die 
Gesammtstimmung; der Färbung wird lichter und kühler, und im 
Fleisch röfter violettlich, die Luftperspective ist mit mehr Feinheit 
ausgebildet, der Vortrag weicher, aber noch sehr in das Einzelne 
gehend, besonders in Ausbildung landschaftlicher Hintergründe, 
worauf noch mehr Gewicht gelegt wird, als bisher. Die namhafte- 
sten Meister dieser Richtung sind: 
Gerhart Horeboutf wahrscheinlich um 1475 geboren, wird 
schon von van Mauder als ein ausgezeichneter Maler erwähnt, und 
einige Bilder von ihm angeführt, welche indess leider jetzt ver- 
schollen sind. Er war aber zugleich von einer ausserordentlichen 
Thätigkeit als Nljniaturmaler. Das frühste Denkmal dieser Art sind 
mehrere Miniaturen in einem, im britischen Museum befindlichen, 
Gebetbuch, welches von einem Fr. de R-ojas der Königin Isabella 
von Castilienc verehrt wurde, und zwischen den Jahren 1496 und 
1504 ausgeführt worden sein muss. Bis zum Jahr 1521 schmückte 
er verschiedene Bücher mit Miniaturen für Margaretha von Oester- 
reich, Statthalterin der Niederlande und Tante Karl V. Das frühste 
derselben, etwa von 1510, in der Bibliothek der alten Herzoge von 
Burgund zu Brüssel "Album de ltlarguerite" genannt, mit Ge- 
dichten von dieser Fürstin, enthält dieselbe in Verehrung vor 
der Maria als Himmelskönigin. Ausserdein aber erhellt aus den 
neuerdings von dem Archivar Pinchard bekannt gemachten Rech- 
nungen, dass er noch zwei Gebetbücher (Horarien) für dieselbe 
Fürstin mit Miniaturen verziert hat; Eins derselben, sagt Harzen, 
lässt sich auf das berühmte Gebetbuch Karl V. beziehen, das unter 
den Cimelien der k. k. Hofbibliothek zu Wien aufbewahrt wird, 
ein Bändchen in schmal Duodez, mit trefliichen Miniaturen von 
vollendetster Ausführung, welches etwa um 1517 fallen muss. Wegen 
der grossen Uebereinstimmung dieser Miniaturen mit denen in dem 
berühmten Brevier Grimani in der Bibliothek des heiligen Marcus 
zu Venedig, ist nun Harzen zu der Ueberzeugung gelangt, dass 
Gerard Horebout als Haupturheber derselben zu betrachten, und 
dass er unter dem Gerhart von Gent zu verstehen sei, welcher als 
1 Ich folge hier in Allem, was die Lebensumstände und die Thätigkeit dieses 
Künstlers als Miniaturmaler betrifft, dem schon oben angeführten treßlighen 
Aufsatz von Ernst Harzen, wo auch die Beweise für die einzelngn Thdgsachen mit 
der Sachkenntniss und dem feinen Urtheil gegeben sind, welchen man in 9,11911 
Schriften desselben begegnet.
        

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