Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257616
V01] 
Epoche 
bis 
131 
acht Senatoren, deren einige Schriftrollen halten. Dieses Bild trägt 
in allen Stücken das Gepräge der feinsten Eyckisoheri Schule. Scipio 
besiegt die Lusitanier. Ein Reitergefecht im Vorgrunde ist durch 
die Deutlichkeit der Anordnung, die Lebendigkeit der einzelnen 
Motive, sehr ausgezeichnet. Die hellgehaltenen, stählernen Rüstungen 
machen eine vortreffliche Wirkung. 
Ich erwähne zunächst die Geschichte des Königreichs Jerusalem 
bis zum Jahr 1210, eines Bilderbuchs mit ganz kurzem erklärenden 
Text (N0. 2533), der kaiserl. Bibliothek zu Wien. Dieses, nur 
siebzehn Blätter in sehr schmalem Folio enthaltende, wie die Wap- 
pen und der Wahlspruch beweisen, für den Herzog Philipp den 
Guten, ausgeführte Manuscript, gehört in den Miniaturen, welche 
odenbar nicht von Miniaturmalern, sondern von mindestens drei sehr 
ausgezeichneten Malern der Eycklschen Schule ausgeführt worden 
sind, in jedem Betracht zu dem Schönsten, was wir aus derselben 
besitzen. Die Erfindungen sind fast durchweg höchst eigenthümlich, 
lebendig und geistreich, die künstlerische Ausbildung derselben vor- 
trefflich, die meisterliche Behandlung breit, ja hie und da für Minia- 
turen fast iiüchtig. Mir ist kein anderes Denkmal bekannt, worin 
der ritterliche Geist des Mittelalters durch die Kunst so veranschau- 
licht und verherrlicht wird, als hier. Es finden sich verschiedene 
Anklänge an dem Genter Altar imd bald glaubt man die Hand des 
älteren Rogier van der Weyden, bald die des Memling zu erkennen. 
Indem ich eine ausführlichere Würdigung dieses Manuscripts einer 
anderen Stelle vorbehalte, gebe ich hier nur von einigen, besonders 
ausgezeichneten Vorstellungen eine nähere Nachricht. 
Auf der ersten, zwei Bilder enthaltenden, Seite sieht man auf 
dem einen Gottfried von Boullion, als ersten König, und Danubert, 
Erzbischof von Pisa, als Patriarchen von Jerusalem, vor einem 
gothischen Bau, womit wahrscheinlich die Kapelle zum heiligen 
Grabe gemeint ist, knieend; neben ihnen andere weltliche und 
geistliche Herrn. Die Anordnung ist höchst kunstreich, die Köpfe 
trefflich individualisirt. Auf der Rückseite desselben Blatts zeigt ein 
Bild mit den Eltern des Gottfried von Boullion eine andere Hand 
von noch feinerer Ausbildung. Auf der ersten Seite des zweiten 
Blatts gehört die Einschiifung des Gottfried von Boullion und seiner 
Gefährten zum ersten Kreuzzuge von der ersten Hand, sowohl in 
Rücksicht der Charakteristik der Figuren, als der Poesie und Wahr- 
heit der Landschaft zu dem Schönsten, was mir der Art bekannt
        

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