Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257604
130 
III. 
Buch. 
Kapi 
Belvedere unweit Gravesend. Aus der früheren Zeit. Von grog- 
ser Energie in Gefühl und Farbeß  
Christus am Kreuz mit Maria, Johannes und Magdalena in der 
Gallerie zu Dresden (N0. 1617). Dieses Bild ist, bis auf die Mag- 
dalena, eine fleissige Copie im Kleinen nach dem schönen Bilde seines 
Vaters in der Wiener Gallerie. Die Magdalena hat er dagegen seiner 
obenerwälmten Kreuzabnahme entnommen. Für ein Bild des Vaters, 
Welchem es in Dresden beigemessen wird, ist es zu schwach. Die 
Kreuzabnahme im königl. Museum zu Neapel, eine sehr reiche 
und schöne Composition, erst vor etwa 20 Jahren angekauft. 
Der Kopf einer weinenden Frau im Museum zu Brüssel. Von 
sehr wahrem und innige-m Ausdruck. 
Da. es wichtig ist auch die Art und Weise der Auffassung der Schule 
der van Eyck in der Behandlung weltlicher Gegenstände kennen zu 
lernen, dergleichen aber in Oelgemälden fast gar nicht vorhanden sind, 
scheint es mir angemessen hiefür auf einige Manuscripte aufmerksam 
zu machen, worin solche Vorgänge in Miniaturen behandelt worden 
sind, welche im Kunstwerth auf der vollen Höhe der Schule stehen. 
Ich gedenke zuerst eines Bandes einer französischen Uebersetzung 
des Livius in Grossfolio, welcher die dritte Decade seines Werkes 
enthält, auf der Bibliothek des Arsenals zu Paris. Die neun darin 
enthaltenen Bilder stellen die Vorgänge aus der römischen Geschichte, 
in Waffen, Trachten, Sichgehaben, durchaus in der Weise der Zeit 
des Malers, etwa 1430-1450 vor. Die Oompositionen, die bequemen, 
öfter selbst graziösen Motive, die feine Individualisirung und der 
Ausdruck der Köpfe, die gute Zeichnung, die warme, gesättigte und 
dabei harmonische Färbung, die ebenso geistreiche, als sorgfältige 
Behandlung in den feinsten Guaschfarben verrathen einen vortreff- 
lichen Künstler. Für eine gewisse Flüchtigkeit in Behandlung der 
landschaftlichen Hintergründe im Verhältniss zu anderen Miniaturen 
dieser Zeit und Schule entschädigt er durch die Wahrheit und 
Lebendigkeit seiner Pferde, welche häufig, auf sonst sehr ausge- 
zeichneten Miniaturen derselben Zeit und Schule, von auffallender 
Schwäche sind. Nur die Köpfe lassen auch bei ihm zu wünschen 
übrig. Ich hebe einige der vorzüglichsten Bilder hervor. Der als 
Consul unter "einem grünen Traghimmel sitzende Cato der ältere 
vertheidigt sein Gesetz gegen die Frauen, zu den Seiten stehen 
Treasures Th. 
278.
        

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