Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257473
Epoche von 1420 bis 1530. 
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Gebäude des alten Louvre und der Thurm von Nesle in der Land- 
schaft beweisen, dass der Künstler dieses Bild in Paris ausgeführt 
hat. Die noch etwas schwache Zeichnung der Füsse und selbst der 
Hände spricht für die frühe Zeit des Meisters. Die Köpfe sind 
indess meisterlich und theilweise von tiefem Gefühl. 1 
Ein kleines Diptychon, dessen eine Seite die Kreuzigung, eine 
reiche Composition, die andere die Stifterin, Jeanne de France, 
Frau von Johann 11., Herzog von Bourbon, mit ihrem Schutzheiligen, 
dem heiligen Johannes dem Täufer, und Maria mit dem Kinde in 
der Luft, vorstellt. Ein Bild von miniaturartiger Feinheit. Im 
Besitz des Predigers John Fuller Russell in Greenhithe, in der 
Grafschaft Kent. 2 
Der Sündenfall in der Ambraser Sammlung in Wien, wobei 
die Schlange als eine bunte Eidechse aufgefasst ist. Ein Diptychon 
von der feinsten, miniaturartigen Durchführung und erstaunlicher 
Kraft der Farbe. Die etwas langen Proportionen, die mageren 
Glieder, deuten auf die frühere Zeit des Meisters. Die Landschaft 
des Hintergrundes ist die feinste, so ich von ihm kenne. So gehört 
auch die, grau in grau ausgeführte Genovefa auf der äusseren 
Seite in Schönheit des Kopfs, Adel der Gestalt, Reinheit im Ge- 
schmack der Gewandfalten zu seinem Treiflichsten. 
Das jüngste Gericht in der Marienkirche zu Danzig, ein 
grosses Altarbild. 8 Die Composition ist ungleich reicher und kunst- 
voller in der Anordnung, als auf dem früher besprochenen Gemälde 
desselben Gegenstandes von seinem Meister, dessen Einfluss übrigens 
hier noch sehr sichtbar ist. In dem thronenden Christus ist der 
gewöhnliche Typus ungemein edel aufgefasst und der Ausdruck 
dem Moment gemäss, von ergreifender Lebendigkeit, auch die 
Gebährde des Segnens der Gebenedeiten, des ruhigen Abweisens 
der Verdammten, trefflich, und gewiss mehr im Geist des Christen- 
thums als im jüngsten Gericht des Michel Angele, wo der Heiland 
sich in sehr leidenschaftlicher Bewegung .nur den Verdammten zu- 
wendet. Der Ausdruck des Mitleids in den edlen Zügen der Maria 
zur Rechten Christi ist höchst würdig. Auch die Charakteristik und 
die Theilnahme von Johannes dem Täufer, der Maria gegenüber, 
S0 Wie der zwölf Apostel hinter ihnen, ist ebenso mannigfaltig als 
 
1 Näheres in meiner Notiz im Kunstblatt von 1847. s. 186.  2 Näheres im 
4- Bande der Trßläsures S. 285.  3 Dieses ist zuerst von Professor Hotho richtig 
bestimmt worden. 
        

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