Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257455
Epoche von 1420 bis 
115 
auf die Gebeine Johannes des Täufers bezügliche Begebenheiten 
darstellt, nämlich die Bestattung derselben in der Gegenwart Christi, 
die Verbrennung durch den Kaiser Julianus Apcstata, endlich die 
Uebertragung einiger Ueberreste derselben nach dem Hauptsitze 
der Johanniter, St. Jean d'Acre, im Jahr 1252. Die Köpfe haben 
ein durchaus portraitartiges Ansehen, und sind zwar höchst lebendig 
doch, bis auf einige Johanniterritter, welche von edler Bildung, 
hässlich in den Formen. Die, im Verhältniss zu den Landschaften, 
kleineren Figuren, als in den meisten Bildern der Schüler der van 
Eyck, sind überschlank und mager in den Formen, aber von sehr 
tüchtiger Zeichnung. In dem Fleischton waltet ein etwas schweres 
Braun- vor. Das Nachdunkeln der, übrigens meisterlich modellirten, 
Gewänder macht die Wirkung etwas schwer und fleckig. Die Aus- 
führung des Einzelnen, welche sich gleiclimässig auf alle Neben- 
sachen erstreckt, ist bewunderungswürdig. Auf die Ausbildung der 
Landschaft ist ein grosses Gewicht gelegt. Nach der ganzen Kunst- 
form dürfte die Ausführung dieser Bilder etwa von_l_4G0-70 fallen. 
Wegen der grossen Uebereinstimmung mit diesen Bildern halte ich 
zwei Flügel in der Ständischen Gallerie zu Prag, einen Mann und 
eine Frau, mit ihren Schutzheiligen, den geharnischten Julian und 
Adrian, mit Bestimmtheit von diesem Meister. 
Ich gehe jetzt zur Betrachtung der nächsten Generation der 
van Eycküschen Schule über.   
Der grösste von allen diesen ist ohne Zweifel Han s Mem lin g, 
der Hauptschüler von Rogier van der Weyden dem älteren. 2 Alles 
was mit historischer Gewissheit von ihm bekannt ist, besteht 
darin, dass er in den Jahren 1477 und 1478 in sehr dürftigen, 3 
bis zum Jahr 1487 vielleicht in etwas besseren Umständen in Brü gge 
1 Auch irrig Hemling genannt. Die von mir schon früher, aber schliesslich 
im Deutschen Kunstblatt von 1854, S. 177, für die Lesart Memvling zusammenge- 
stellten Gründe haben durch eine von dem Canonicus Carton in Brügge bekannt 
gemachte Urkunde, worin gesagt wird, dass im Jahr 1483 Meister Jan van 
Memmelinghe, als Schüler einen Passcier van der Meersch aufgenommen, sowie 
durch das Vorkommen desselben Namens in einem Verzeichniss zu Brügge gestor- 
bener Maler, ihre schliessliche Bestätigung gefunden. Katalog des Museums von 
iintwerpen vom Jahr 1857. S. 37.  2 Der Ausse, oder l-Iuvesse, beides eine 
italienische Entstellung des Namens Hans, den Vasari (Ausgabe von Siena I. S. 177. 
III. S. 312. XI. S. 63) als Schüler des Rogier van Brügge nennt. ist ohne Zweifel 
Hans Memling. Dasselbe bezeugt auch die auffallende Verwandtschaft der Werke 
bßider-  3 S. Carton. Annales de 1a Societe 11' Emulation de Bruges. TOIII- V- 
2e Serie. N0. 34. S. 331i Die zuerst von dem oherlijichlichen und unzuver- 
lässigen Schriftsteller Descamps veröffentlichte Sage, dass Memling sich als kranker 
Soldat im Jahr 1777 nach der Schlacht von Nancy im Hospital des heilige" JU- 
hunnes in Brügge eingefunden, verdient keinen Glauben.
        

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