Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257438
Epoche von 1420 bis 1530. 
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Verschiedene namhafte Werke, welche er in den Niederlanden 
ausfiihrte, sind theils von den Bilderstürmern vernichtet werden, 
theils später verschollen. Er machte auch gelegentlich Gartens zu 
Glasgemälden, von denen eins in der Jakobskirche zu Gent so vor- 
züglich war, dass van Mander versucht war, den Entwurf dem 
Jan van Eyck beizumessen. 1 
Hugo van der Goes starb im Jahr 1478 in Roodenkloster in 
der Nähe von Brüssel, wohin er sich in der späteren Zeit seines 
Lebens zurückgezogen hatte. 2 
Grerard van der Meire, das Mitglied einer Familie in Gent, 
welche mehrere Maler aufzuweisen hat, 3 wird zwar in einer Chronik 
aus dem Ende des 15. Jahrhunderts ein Schüler des Hubert van 
Eyck genannt, 4 da er indess sicher erst im Jahr 1452 als Mitglied 
in die Brüderschaft des heiligen Lucas zu Gent, mithin erst 26 
Jahr nach dem Tode des Hubert, aufgenommen wurde, so erscheint 
dieses nicht als wahrscheinlich. 5 Auch spricht das einzige, durch 
eine alte Tradition beglaubigte Bild keineswegs dafür. Dieses ist 
ein grosses Altargemälde in einer Kapelle der Kathedrale von Gent, 
dessen Mitte in einer Composition von 31 Figuren die Kreuzigung 
Christi, der eine Flügel, mit 17 Figuren, die Errichtung der eher- 
nen Schlange, der andere, mit 26 Figuren, Moses der Wasser aus 
dem Felsen schlägt, vorstellt. Die Compositionen zeigen wenig 
Geschick, die Motive sind steif und lahm, die Köpfe meist ein- 
förmig und von wenig Modell, die Falten der Gewänder von sehr 
scharfen Brüchen, die Verhältnisse zu lang, die Formen, zumal 
bei dem Christus und den Schächern, sehr mager. Einzelne Köpfe, 
wie der der Maria und des gläubigen Hauptmanns, sind indess von 
edlem Ausdruck, die felsigte Landschaft mit fernen Schneegebirgen 
sogar schön. Die helle und etwas bunte Gesammtwirkung ist durch 
verwaschen entstanden. Einige noch erhaltene Theile, wie der 
Moses und zwei hinter ihm befindliche Männer, zeugen von grosser 
Kraft und Tiefe der ursprünglichen Färbung. Nach der ganzen 
Kunstform ist dieser Meister ungleich mehr dem Jan van Eyck ge- 
folgt und dieses Bild schwerlich vor dem Jahr 1480 ausgeführt 
worden. Auch wird der Künstler urkundlich noch im Jahr 1474 
1 Van Munde: B1. 127 b.  2 Sweertius, Monum. Sepulcral. S. 323.  3 S- den 
911911105 4196 Museums von Antwerpen von 1857 S. 24 f.  4 Messager des Sßience? 
et des Arts. Gand 1824 S. 132.  ß S. denselben Catalog an demselben  
Waagen, I-Iandb. d. Malerei. I. 8 
        

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