Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257377
Epoche von 1420.bis 1530. 
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Stifter, Mann und Frau in Verehrung. Die Maria hat in Form, 
Farbe und Ausdruck eine sehr grosse Uebereinstimmung mit der 
auf dem vorhererwähnten Triptychon, welches Juan II. von Spanien 
besessen. Die Magdalena auf dem rechten Flügel gehört zu den 
edelsten Gestalten des Künstlers, auch die Veronica auf dem linken 
ist höchst vorzüglich. In der Luft vier dunkelblaue Engel. Die 
Landschaft und die Luft haben durch Uebermalung viel von ihrem 
ursprünglichen Charakter eingebüsst. 
Ein Triptychon in der Sammlung des Marquis von Westminster 
in London, mit halben Figuren und ohne Zweifel einst als Epi- 
taphium gemalt. Darauf, durchweg in halben Figuren, in der 
Mitte der segnende Christus, auf der Linken den Erdglobus, von 
sehr strengem, fast finsteren Charakter, und, was ungewöhnlich, 
mit schwarzem Haar. Zu seiner Rechten, ihn verehrend, Maria, 
ein sehr edler Kopf, zu seiner Linken Johannes der Evangelist, ein 
schöner Kopf, von grosser Tiefe der Farbe, in der Linken den 
Kelch. Auf dem rechten Flügel Johannes der Täufer, von sehr 
ernstem Charakter, mit der Rechten auf Christus deutend, auf dem 
linken Magdalena, in würdigem Ausdruck der Reue, mit der Salben- 
büchse. Dieses bedeutendste Werk, welches England von diesem 
Meister besitzt, steht an Wärme und Tiefe der Farbe den vorigen 
Bildern sehr nahe. 1 
Das jüngste Gericht im Hospital zu Beaune._ Dieses ist das 
umfangreichste von den uns von diesem Meister aufbehaltenen 
Werken. Er hat sich in der Compositiou ganz an die Tradition 
gehalten, indess ist die Strenge der symmetrischen Anordnung 
dem oberen Theile durch die Abwechslung, die Freiheit und Le- 
bendigkeit der Motive gemässigt. Auch sind die Köpfe, zumal der 
Johannes des Täufers und einiger Apostel, für ihn von ungewöhn- 
lichem Adel, und der Ausdruck der Theilnahme höchst ergreifend. 
Der Pabst, hinter den Apostelnauf dem rechten Flügel, ist Enge- 
nius IV., der Gekrönte, neben ihm, Philipp der Gute, die gekrönte 
Frau, ihm gegenüber, auf dem Flügel links, wahrscheinlich seine 
zweite Gemahlin, Isabelle von Portugal. In dem unteren, durch 
eine Wolkenschicht von dem oberen getrennten Theil, ist der Kopf 
des etwas zu langen Engel Michael zwar sehr schön, im Ganzen er- 
Scheint dieser Theil aber gegen den oberen etwas leer und dürftig und 
{Eine nähere Beschreibung in meinen Treasures of art V01. II. S. 161 f. Es 
wird 1D der Gallerie irrig dem Memling beigemessen.
        

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