Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257349
104 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
Bildern dürften die in Löwen, in der dortigen Genossenschaft der 
Brüder vom gemeinsamen Leben herausgegebenen, treiflichen, xylo- 
graphischen Werke, der Armenbibel, des Hohenliedes, und die 
48 ersten Vorstellungen des Heilsspiegels, nach Zeichnungen des 
D. Stuerbout ausgeführt worden sein. 
Unter allen Schülern der van Eyck ist Rogier van der Weyden 
der ältere bei weitem der berühmteste. Bis zum Jahr 1846 war er 
indess nur unter dem Namen Rogier von Brügge bekannt. Erst in 
diesem Jahr bewies der Archivar von Brüssel, Herr Wauters, dass 
sein Name Rogicr van der Weyden und dass er zu Brüssel geboren 
worden. 1 Wahrscheinlich ist dieses im letzten Jahrzehnt des leiten, 
keinenfalls aber wohl später, als zu Anfang des löten Jahrhunderts 
geschehen, indem er schon vor dem Jahr 1430 ein so berühmter 
Meister war, dass der, im Jahr 1431 gestorbene, Pabst Martin V- 
dem Könige von Spanien, Juan II., ein jetzt im Museum von Berlin 
heiindliches, Altärchen von ihm, schenkte, 2 welches einen Meister 
von höchster Ausbildung zeigt. In seiner früheren Zeit, da er noch 
als Schüler des Jan van Eyck inBrügge lebte, führte er eine grosse 
Zahl von Bildern mit lebensgrossen Figuren in Leimfarben aus. 3 
Aber schon im Jahr 1436 bekleidete er die ehrenvolle Stelle eines 
amtlichen Malers der Stadt Brüssel. Das Hauptwerk, welches er in 
dieser Stellung ausgeführt, war ein Altar mit Flügeln für den Saal 
des Rathhauses der Stadt, wo Recht gesprochen wurde. Nach der 
Sitte der Zeit enthielt es Beispiele strenger Rechtspflege, um die 
Richter, wie schon oben bemerkt, durch das Anschauen derselben 
anzuhalten, ein Gleiches zu thun. Das Hauptbild stellte dar, wie 
Herkenbald, nach der Tradition ein Richter des llten Jahrhunderts 
in Brüssel, seinen Neffen, weil er ein Mädchen entehrt, mit eigner 
Hand umbringt, und ihm eine Hostie, welche ihm der Priester 
wegen" dieser That, als einem Mörder, versagt, durch ein Wunder 
zu Theil wird. Die Flügel enthielten eine That der Gerechtigkeit 
des Kaisers Trajan. Diese allgemein bewunderten Bilder, welche 
auch Dürer auf seiner Reise in den Niederlanden besuchtef be- 
fanden sich noch im 17. Jahrhundert an Ort und Stelle. Sie sind 
wahrscheinlich bei dem Brande des Rathhauses, während der Be- 
1 S. das erste Quartalheft der in Brüssel erscheinenden Zeitschrift Messager 
des sciences historiques.  ß S. Passavants Aufsatz im Kunstb1att_ des Jahrs 1843, 
welcher darin zuerst diesen Meister als Urheber erkannte, und danach andere 
Bilder bestimmte, und meinen Aufsatz im deutschen Kunstblatt von 1854 S. 57.  
3 S. van Mander Bl. 126 b.  4 Reliquien von Albrecht Dürer. Nürnberg 1828 S. S1.
        

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