Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257300
100 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
einen warmen Lokalton, die Schatten eine bräunliche Farbe von 
seltener Klarheit. Namentlich aber sind seine rothen und grünen 
Gewänder von einem Schmelz, einer Klarheit, welche sich der Wir- 
kung der Granaten und Smaragde nähert. Diese Art des tiefen 
und saftigen Grüns erstreckt sich auch auf die Bäume und Kräuter 
seiner landschaftlichen Hintergründe, worin er es ebenfalls allen 
anderen Malern dieser Schule zuvorthut. Sie haben namentlich eine 
grössere Weiche und Tiefe des Tons, und eine etwas mehr ausge- 
bildete Luftperspektive. Offenbar hat hier das Vorbild seines, in 
derselben Richtung so ausgezeichneten, Vaters fördernd auf ihn ein- 
gewirkt. Wir haben sichere Kunde von einem noch im Jahre 1609 
im Besitz eines Herrn T. Blin in Haarlem befindlichen, Vorgänge aus 
dem Leben des heiligen Bavo vorstellenden Bildes von ihm, worauf 
die Umgebungen jenq Stadt so im Einzelnen wiedergegeben waren, 
dass sich darauf ein in jener Zeit dort berühmter hohler Baum be- 
fand. 1 In der Behandlung aller Theile endlich hat er eine Weiche 
und Breite, wogegen der seines grossen, ihm in anderen Beziehungen 
allerdings überlegenen, Sehulgenossen Rogiers van der Weyden des 
älteren, in manchen Theilen, z. B. in der Behandlung kostbarer 
Kleiderstotle, etwas spitz und mager erscheint. 
Von der nicht unbedeutenden Anzahl von Bildern, welche von 
Stuerbout herrühren möchten, kann ich nach dem Plane dieses 
Werks nur solche anführen, welche besonders charakteristisch und 
dabei leicht zugänglich sind. 
Sein frühstes, mir bekanntes Werk möchten zwei kleine Flügel 
mit acht Vorgängen aus der Legende dcr heiligen Ursula in -der 
Kapelle des Hospitals der soeurs noires zu Brügge sein, welche 
dort irrig dem Memling beigemessen werden. Diese schönen Bild- 
ehen von grosser Feinheit dürften vielleicht vor Seiner, wahrschein- 
lich erst nach dem, im Jahr 1426 eingetretenen, Tode des Hubert 
van Eyek erfolgten, Rückkehr nach Haarlem ausgeführt werden sein. 
Auch die Rückseiten, welche, grau in grau, die vier Evangelisten, 
die vier Kirehenväter und die Verkündigung Maria enthalten, ver- 
dienen, als vortreülieh, eine nähere Betrachtung. 
Diesen Bildchen möchten sich in der Zeit zwei zu einem grös- 
ijl-i 
1 Die Beschreibung dieses Bildes befindet eich in einer Anmerkung der, im 
Jahre 1609 zu Amsterdam erschienenen, französischen Uebersetzung von Guicciar- 
dinig Begchy-eibuug der Niederlande, von Pieter van den Berge. S. E. van Eveu 
im angef. Werk S. 29 f.
        

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