Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257289
98 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
folgenden Jahren liess die Brüderschaft des heiligen Sakraments in 
der Peterskirche für die zwei, ihr seit dem Jahr 1433 darin über- 
lassenen Kapellen, zwei Bilder von ihm malen. Für die kleinere 
ein Altarbild mit Flügeln, dessen Mitte das Martyrium des heiligen 
Erasmus, die Flügel die heiligen Hieronymus und Bernhard, für die 
grössere aber gleichfalls ein Flügelbild, dessen Mitte das Abend- 
mahl, die Flügel aber in zwei Abtheilungen- übereinander, vier, von 
sehr alter Zeit her sinnbildlich auf das Abendmahl bezogene Vor- 
stellungen aus dem alten Testament enthalten. Der letzte Altar, 
woran er einige Jahre arbeitete, und daher dann und wann kleine 
Abschlagszahlungen erhielt, wurde im Jahr 1467 fertig. 1 Schon 
im nächsten Jahr beeudigte er zwei, von der Stadtbehörde für den 
Sitzungssaal, des 1460 im Bau vollendeten, berühmten Rathhauses 
bestellte Bilder mit fast lebensgrossen Figuren, deren Gegenstände 
darauf berechnet waren, die darin tagenden Richter auf die strenge 
Ausübung ihres Amts hinzuweisen. Es wurden hierzu die, in der, 
im 12. Jahrhundert verfassten, Chronik des Gottfried von Viterbo 
enthaltene, Legende gewählt, wie der Kaiser Otto III. einen zu 
seinem Hofe gehörigen Grafen, auf die falsche Anklage seiner, in 
denselben verliebten Gemahlin, dass er ihr etwas Ungebührliches 
zugemuthet, habe hinrichten, als aber dessen Gemahlin durch 
die Feuerprobe die Unschuld des Grafen erwiesen, die Kaiserin den 
Flammentod habe sterben lassen. 2 Die für jene Zeit sehr ansehn- 
liche Summe von 230 Kronen, welche der Künstler dafür erhielt, 
beweist, wie hoch seine Werke geschätzt wurden. Wie sehr der 
Stadtrath davon befriedigt sein musste, beweist überdem der Um- 
stand, dass dem Künstler sogleich die Ausführung von zwei an- 
deren Werken aufgetragen wurde. Das eine, ein Flügelaltar von 
Petrus und Paulus enthielt. Dieselbe lautet: „Duysent vier hondert en twee et 
tsestich Jaer nae Christus gheboort, heeft Dirk, de te Haarlem is ghehooren, my 
te Lowen ghemaeckt, de euwighge rust mnet hem ghewerden." 
1 Dass diese beiden Altäre, welche bisher in der Kirche für Werke des Mem- 
ling, von mir aber des Justus von Gent, gehalten wurden, von D. Stuerbout her- 
rühren, erhellte schon aus der folgenden Stelleim angeführten Werk des Molanusi: 
"Theodnrici iilii opus suut in ecclesia D. Petri duo altaria Wlenerabilis Sacmmenti, 
quae multum ex arte commendnntur," wobei nur insofern die Angabe ungenau ist. 
als er beide auf das Abendmahl bezieht. Die volle Bestätigung hat aber ganz 
neuerdings Herr Edward van Even aus den Rechnungen jener Brüderschaft des 
Sac-raments gegeben. Ja für das letzte Bild hat sich die, unter dem Jahr 1467 
ausgestellte Originelquittung des Künstlers gefunden. Dieselbe lautet: "In Dierie 
30m5; kenne mi vernucht (sie) en wel betaelt als van den Werc dat ie ghernaekt hehhe 
den heiligen Sacrament."  2 Dieses geht aus einer, in handschriftlichen Annalen 
zu Löwen enthaltenen, zuerst im Messager des scienees etc. vom Jahr 1832 S. 18, 
und daraus bei Cavaleaselle S. 290 abgedruckten Notiz hervor.
        

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