Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257220
92 
III. 
Buch. 
Kapitel. 
nahe, dass man etwas später an die Stelle des so wenig bekannten 
Lambert den ungleich berühmteren Vornamen des Jan setzte. 1 
 Mehrere der kleineren Figuren zeigen eine so auffallende Ueber- 
einstimmung mit den beiden Sibyllen und den Propheten Zacharias 
auf dem Altargemälde von Gent, dass ich diese schwächeren Theile 
ebenfalls von der Hand des Lambert van Eyck halten möchte. 
Ebenso rührt wahrscheinlich auch von ihm die, in jedem Betracht 
dem Original so nahe stehende, Wiederholung des grossen Bildes 
in der Aeademie zu Brügge mit dem Bildniss des Canonicus de 
Pala her, welches sich unter N0. 11 in dem Museum zu Ant- 
werpen befindet. 
Sowohl der Umstand, dass die den van Eycks vorausgehenden 
Maler, z. B. jener oben erwähnte Jan van Brügge, sich auch in der 
Miniaturmalerei versucht, als ihre eigne, auf die sorgfiltigste Aus- 
bildung des Einzelnen gerichtete Kunstweise, lassen mit Gewissheit 
voraussetzen, dass auch sie gelegentlich in Miniatur gemalt haben 
und in der That findet sich in der Kaiserl. Bibliothek zu Paris ein 
Manuscript, dessen Miniaturen in der Mehrzahl nicht allein durch- 
aus von dem Geiste ihrer Kunst durchdrungen sind, sondern deren 
freie und breite Behandlung auch auf Maler deutet, welchegewöhnt 
waren, in einem grösseren Maassstabe zu arbeiten. Es ist dieses 
das berühmte, wahrscheinlich im Jahr 1424 beendigte, Brevier des 
mit einer Schwester des Herzogs Philipp des Guten vermählten Her- 
zogs von Bedford, Regenten von Frankreich. 2 In den 45 grösseren 
und der sehr grossen Zahl von kleineren Bildern, deren immer vier 
die Seitenränder jeder Seite schmücken, lassen sich nun mindestens 
drei verschiedene Hände unterscheiden. Nach der grossen Verwandt- 
schaft von mehreren mit den Theilen des Genter Altars, welche 
man mit Sicherheit dem Hubert van Eyck beimessen kann, möchten 
diese von seiner Hand herrühren. Eins der vorzüglichsten derselben 
ist gleich das erste Bild, welches oben, in einem Rund, die heilige 
Dreieinigkeit, von Engelchören umgeben, unten, in Verehrung, Abra- 
ham, Jsaac, Jacob, Moses, David und den Propheten Malachias dar- 
stellt. Nach der Uebereinstimmung mit den Bildern des Jan van 
Eyck mit anderen, z. B. mit der Himmelfahrt Christi, welcher von 
den Altvätern und Engeln erwartet wird, möchten. diese ihm beizu- 
messen sein. Ausser diesen zeichnen sich noch vor allen das Leben 
1 Vergl. über Dieses meinen Aufsatz in_1_ Kunstblatt von 1849, N0. 
1 Näheres hierüber s. Kunstwerke und Kunstler in Paris S. 351 ff. 
16 und 17.
        

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