Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257165
86 
III. 
Kapitel 
Einzelheiten, wie kein anderer Künstler seiner Zeit, ja wie über- 
haupt die Kunst nur selten hervorgebracht hat. In Rücksicht seines 
Verhältnisses zu der verbesserten Weise der Oelmalerei, theile ich 
ganz die Ansieht Oavalcaselles, dass er wahrscheinlich seinen so viel 
älteren Bruder schon im Besitz der neuen Vortheile fand, dieselben 
aber im Gebrauch zu noch grösserer Vollkommenheit ausbildeteJ 
In der Handhabung des Pinsels herrscht bei ihm eine noch 
grössere Freiheit und setzt ihn in den Stand, das Stoifartige jedes, 
Gegenstandes mit überraschender Wahrheit wiederzugeben. Bald, 
wie in den Fleischtheilen, sind die Töne zart verschmolzen, bald, 
wie bei freiwallendem Haar, leicht hingesetzt. In dem Bestreben 
abzurunden nähert er sich im Fleisch in den höchsten Lichtern dem 
Weiss, und geht in den Schatten in ein kräftiges, bisweilen etwas 
schweres Braun, welches gegen das Gelb gebrochen ist, jvährexid es 
bei Hubert mehr gegen das Röthliche zieht. Bei der Schärfe seines 
Auges und der erstaunlichen Präcision der Hand, hat er eine beson- 
dere Vorliebe für einen mässigen, bisweilen selbst, sehr kleinen, 
Maassstab. Seine Freude am Wiedergeben jeder Naturerscheinung 
liess ihn gelegentlich aus dem kirchlichen Kreise herausgehen, wie 
denn der Fang einer Fischotter 2 und eine Badstubes schon früh 
als besonders ausgezeichnete Gemälde angeführt werden, welche in- 
dess jetzt verschollen sind. Endlich fand er so viel Gefallen daran, 
Landschaften mit weiten Aussichten zu malen, dass er dergleichen 
nicht allein gern inlden Hintergründen seiner historischen Bilder 
anbrachte, sondern auch ein Beispiel bekannt ist, dass eine solche 
Landschaft den ausschliesslichen Gegenstand eines Bildes ausgemacht 
hat.4 Ausser den von ihm in Belgien befindlichen Bildern führe 
ich nur solche von ihm an, welche leicht zugänglich Sind: Minder- 
bedeutende übergebe ich mit Stillschweigen. Ich halte dabei, so 
viel wie möglich, die Zeitfolge fest. Das frühste, von ihm überhaupt 
vorhandene Bild ist das mit seinem Namen und 1421 bezeichnete, 
die Einweihung des Thomas von Becket zum Erzbischof von Canter- 
bury, in der Sammlung des Herzogs von Devonshire zu Chatsworth. 
1 S. S. 44 und 46. Ein nach der Aufschrift im Jahr 1417 in Oel gemaltes Bild 
von Pieter Cln-istophsen im Museum zu Frankfurt beweist. dass um dieseleit 
diese neue Art der Oelnaalerei schon bim Gebrauch war. Damals aber war 
Jan van Eyck schwerlich alter als zwanzig Jahr.  2 S. den Anonymug des M0. 
relli S. 14.  3 S. Facius a. auf).   Die Vorstellung der Welt. welche er nach 
Faßius, an derselben Stelle, fur Philipp den Guten ausgeführt hat, ist wesentlich 
nichts anderes gewesen, du es besonders wegen der Angabe verschiedener Ort- 
schaften und der perspectiwüscheix Täuschung berühmt war.
        

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