Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257104
80 
III. 
Buch. 
Kapitel 
geführten Engeln im Museum von Florenzzusammen. Wie die 
grossen italienischen Meister hat er ihrem Haupthaar durchweg eine 
goldige Farbe gegeben, welche mit Recht schon an sich für Schön 
"gehalten, zugleich mit dem Ton des Fleisches die glücklichste Har- 
monie bildet. Auf dem entsprechenden Flügel zieht vor allem die 
die Orgel spielende heilige Oäcilie die Aufmerksamkeit auf sich. 
Als Prinzessin in einem mit Hermelin verbrämten Mantel von schwar- 
zem Goldbrocat gekleidet, ist sie ganz in ihrem Spiel versenkt. 
Für die Instrumente, wrlche zwei Engel spielen, einem Violoncell 
und einer Harfe, ist gerade eine Pause eingetreten. In den Köpfen 
beider entspricht der Ausdruck des Aufmerkens, wenn sie wieder 
einfallen müssen, unvergleichlich dem Abzählen der Takte mit den 
Fingern. Ein Engel, von dem man indess nur wenig sehen kann, 
ist beschäftigt, die Bälge der Orgel zu treten, welche im Holzwerk 
wie in den Pfeifen von der seltensten Wahrheit und der grössten 
und meisterlichsten Ausführung ist. Der Hintergrund dieser beiden 
Flügel wird von einer hellblauen Luft gebildet. Ich gehe 
jetzt zur Betrachtung der Vorstellungen auf den Aussenseiten der 
Flügel über (siehe Figur 22). Die der oberen Reihe schliessen 
in sinnreicher Weise den geistigen Inhalt des ganzen Werks ab. 
Es ist darin die Prophezeihung und die Verkündigung Maria, und 
dieses Mysterium selbst, wodurch das Werk der Erlösung seinen 
Anfang nahm, dargestellt. Wir sehen daher oben in zwei Halb- 
runden, in halben Figuren die Propheten Micha und Zacharias. 
Der erste, über der Maria befindliche, schauet in erhabener Be- 
geisterung auf die Jungfrau herab. Sein Ausdruck entspricht ganz 
den auf einem Spruchbande über ihm befindlichen Worten: „Ex 
te egredietur, qui sit dominator in Israel." 1 Der Prophet Zacharia 
"deutet mit lebhafter Gebährde auf das aufgeschlagene Buch seiner 
Weissagungen. Sein Kopf ist ungleich minder bedeutend. Dasselbe 
gilt von den ganzen Figuren der erithreischen und cumaeischen 
Sibylle, auf den entsprechenden Feldern der beiden andern Flügel, 
welche bekanntlich im Mittelalter als die Verkündiger Christi unter 
den Heiden angesehen wurden. In der Verkündigung drücken die 
"Gebährde, der. auf der Brust gekreuzten Hände, sowie die feinen 
Züge des Kopfes der Jungfrau, trefflich die in lateinischer Sprache 
beigeschriebenen Worte der Demuth und Ergebung: „Siehe, ich 
 
1 "Aus Dir wird hervorgehen, 
welcher da wi 
'd sein der König 
in Israel
        

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