Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257068
76 
Buch. 
Kapitel. 
die heiligen Märtyrer, links die heiligen ltlärtyrerinnen mit ihren 
Palmen herausgetreten. Unter den erstern sind Stephan, als der 
älteste von allen, und Lievin, als der Schutzheiligc von Gent; unter 
den letzteren Dorothea, Agnes, Barbara kenntlich. Ganz oben in 
der Luft, über dem Lamm, der heilige Geist als Taube, von wel- 
chem Strahlen nach allen Seiten ausgehen. Die Mannigfaltigkeit 
und Bedeutung der Charaktere und des Ausdrucks in den einzelnen 
Figuren sind hier höchst bewunderungswürdig, das frische Grün der 
Wiese, das lichte, leuchtende Blau des Himmels entspricht wunder- 
bar der geistigen Stimmung der durch das Lamm errungenen Selig- 
keit. In den vier "Flügeln dieser unteren Reihe schliessen sich sehr 
sinnreich, auf der Seite des geistlichen Standes, die Einsiedler und 
Pilger, als die Repräsentanten derjenigen an, welche die Kirche 
Christi durch ein contemplatives, auf der Seite des Standes der Laien, 
die Streiter Christi und die gerechten Richter, welche dieselbe durch 
ein actives Leben gefördert haben. Langsam und feierlich bewegt 
sich, aus einer Bergschlucht hervorkommend, der Zug der Einsiedler 
heran. An der Spitze der älteste, Paulus, ihm zunächst, an seinem 
Kreuze kenntlich, Antonius. Ganz am Ende Maria Magdalena und 
die ägyptische Maria, als die beiden ersten Einsiedlerinnen. Von 
den Bildern der unteren Reihe ist dieses das vorzüglichste. Bewun- 
derungswürdig ist die Mannigfaltigkeit der Köpfe. Feurige Begeiste- 
rung, milde Andacht, an Wahnsinn grenzende Ueberspannung, Ge- 
l-ühl des unerbittlichen Grimms gegen Andersgläubige, wechseln 
miteinander ab, zugleich sind die Fleischtheile von einer seltnen 
Gluth, endlich die tiefe, düstere Haltung eben so sehr dem Gegen- 
stand entsprechend, als vortrefflich abgewogen. Den Pilgern auf 
dem nächsten Flügel bedeutet der in riesenhafter Gestalt rüstig voran- 
schreitende heilige Christoph, dass sie sich dem Ziel ihrer Wan- 
derung nähern. Sein grosser rbther Mantel umgiebt ihn in breiten 
und weichen Falten. In den Pilgern erkennt man wieder besonders 
deutlich das Studium aus dem Leben. Ernste, würdige Köpfe wech- 
seln mit gleichgültigen, überspannte mit fröhlich-lachenden, wie die- 
ses der Künstler bei den damals so häufigen Wallfahrten gesehen 
haben mochte. Der Ton des Fleisches hat hier nicht ganz die 
Tiefe und Klarheit, wie auf dem vorigen Flügel. Von grosser Be- 
deutung ist indess die Landschaft. Die weite Ferne mit hineinfüh- 
rendem Wege deutet glücklich an, dass die Pilger schon einen gros- 
sen Weg zurückgelegt haben. ln einem klaren Flüsschen, worin
        

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