Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Handbuch der deutschen und niederländischen Malerschulen
Person:
Waagen, Gustav Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255893
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1257053
Epoche von 1420 
bis 1530. 
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Gesichtszüge der Eva sind keineswegs schön, und auch ihr Ausdruck 
ziemlich gleichgültig. Adam erscheint im Körper wie im Kopf als 
ein kräftiger Mann. Sowohl der Ausdruck, wie die erhöhte Röthe 
seines Gesichts geben seine geistige Erregtheit bei der Uebertretung 
des göttlichen Gebots zu erkennen. Besonders aber machen sich 
diese Figuren durch die erstaunliche Wahrheit und die meisterliche 
Modellirung in einem warmen, klaren und tiefen Ton geltend. 1 In 
dem kleinen Felde über dem Adam ist, grau in grau, das Opfer von 
Kain und Abel, in dem über der Eva, als erste, schreckliche Folge 
des Sündenfalls, der Todschlag des Kain vorgestellt. Der geistige 
Zusammenhang führt uns zunächst auf das mittlere Bild der unteren 
Reihe. Hier sehen wir in der Mitte das, nach der Olfenbarnng Jo- 
hannis genommene, makellose Lamm, als das Symbol Christi, auf 
dem Altar, durch dessen, aus seiner Brust in einen, neben ihm ste- 
henden goldenen, Kelch iiiesscnde Blut die Erlösung des menschlichen 
Geschlechts von der Erbsünde bewirkt wird. Dieses Lamm bildet 
nun den Mittelpunkt, worauf sich alle anderen Figuren sämmtlicher 
Tafeln des Altarbildes näher oder ferner beziehen. Zunächst dem 
Altar sehen wir vierzehn knieende Engel, von denen die vier hinter- 
sten die vornehmsten Werkzeuge der Passion, das Kreuz, die Lanze, 
den Schwamm und die Martersiiule halten, die acht folgenden an- 
beten, die beiden vordersten Rauchfasser schwingen. Im Vorder- 
grunde, zu beiden Seiten des Brunnens des Lebens, 2 rechts zunächst 
die knieenden Propheten mit den aufgeschlagenen Büchern ihrer 
Weissagungen, links, ebenso knieend, die zwölf Apostel und wahr- 
scheinlich der heil. Stephanus. Hinter ihnen der geistliche Stand, 
Päbste, Bischöfe, Aebte, Priester, und gleichsam von ihnen beschirmt, 
auch Männer aus dem Stande der Laien. Hinter den Propheten 
abender Stand der Laien, unter ihnen Dichter, welche dem Lamm 
ihre errungenen Lorbeerzweige darbringen. Im Hintergrunde der 
blumenreichen Wiese, welche die Räumlichkeit bildet, worauf alles 
Erwähnte vorgeht, eine hüglichte Ferne mit Baumwuchs, hinter 
welchem das himmlische Jerusalem, als eine thurmreiche Stadt im 
Charakter des Mittelalters, hcrvorragt Aus demselben sind rechts 
 
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uem Die oügiuale, welche seit einerÄRi-ihe von Jahren in einer Polterkhmmer de? 
Kirche St. Bavo aufbewahrt wurden, sind glücklicherweise neuerdings ihrem Un- 
tergimäe durch Versetzung in das Museum von Brüssel entzogen worden.  Q A11 
 R3nd9_ des Brunnens stehen die Worte: Hie est fons aquae vitäw Pfoßüdellä 
de sede bei agni.
        

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