Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250642
622 
Buch, 
Sechstes 
Abthei 
Zweiter Abfchnitt. 
Auffafftuig alle erdenklichen Vorgänge im Freien: Jahrmarktsfcenen und Garten- 
fefte, Reitergefechte und Jagdftücke, Volksbelufligungen auf dem Eife und 
auf dem Lande. Seine Figürchen (in der Regel malte er in kleinem Mafs- 
ftabe) find kräftig und gedrungen, aber nicht unfein gezeichnet, und heben fich 
in frifchfarbigen Kleidern von dem feft und doch geiflreich behandelten land- 
fchaftlichen Hintergrunde ab, in dem das oft noch natürlich grüne Baumlaub 
beftimmt und feft durchgearbeitet ift, die Lufttöne klar und wahr aufgefafst, 
doch aber der feuchten holländifchen Atmofphäre entfprechend, nicht felten 
fchon in jene einheitliche grauliche oder bräunliche Gefammtftimmung hinüber- 
geleitet fmd, welche in der nächften Generation zur Herrfchaft in der 
beglsafägfgten holländifchen Landfchaftsmalerei gelangte. Bezeichnete und clatirte Bilder feiner 
Bilder Hand find nicht fo felten, wie man früher annahml). Aus feiner Haarlemer 
im Haag. Zeit flammt das ßiGafimahl im Freienr von 1614 im Haager Mufeum. Dem 
Jahre feine Ueberfiedelung nach dem Haag (1618) gehören die klare, fefte, hei- 
in München, tere vBeluftigung auf dem Eifer der Münchener Pinakothek und die beiden 
in Caffel. kleinen, leichter und Hüchtiger behandelten Rundbilder der Caffeler Galerie. 
welche Winter und Sommer veranfchaulichen, an. Von 1622 fmd die ßßReiter- 
 gefechtee im Aachener Mufeum und im Privatbefltze zu Neufs?) datirt. Die 
Jahreszahl 1623 tragen der geiftvolle, mächtliche Kampf zwifchen Fufsvolk und 
Rottijdam, Reitereir im Rotterdamer Mufeum und eine fchon ganz an van Goijen erinnernde 
i" Säuligßßrs- Hache Flufslandfchaft, die der Verfaffer 1879 bei Herrn Semeonow in St. Peters- 
(Semwnow burg fah; die Jahreszahl 1624 findet fich auf einem xScharmützel am Waldweg-r 
in Glasgow, in der öffentlichen Sammlung zu Glasgow, die Jahreszahl 1625 auf einer eben- 
in Hamburg, falls an van Goijen erinnernden Dünenlandfchaft der Hamburger Kunfthalle 
und auf des Meißers frifchem prächtigen Hauptbilde der Galerie Six zu Amfter- 
dam, welches den Jahrmarkt zu Ryswijk darftellt. Aus dem Jahre 1629 end- 
in Hamburg, lich flammen eine Winterlandfchaft in der Hamburger Kunfthalle und der wAus- 
Amßifdam, zug der Befatzungr im Amfterdamer Reichsmufeum. Bezeichnete, aber nicht 
in_Berlin. datirte Bilder feiner Hand find z. B. die geiftreiche kleine Landfchaft des Ber- 
 liner Mufeums, die wHirfchjagd im Walder der Galerie Liechtenftein zu XIVien und 
ifäzlgm die Winter- und Sommerlandfchaft im Pal. Manfi zu Lucca. Doch iPc die Zahl feiner 
(Äianfü- echten Bilder hiermit noch nicht erfchöpft; und auch als Radirer iPc er durch eine 
Anzahl ähnliche Gegenftände in ähnlicher Weife darftellender Blätter bekannt. 
Um 1616, als Efaias van de Velde eine Hauptrolle in der Haarlemer 
Landfchaftsmalerei fpielte, kamen dann zwei ziemlich gleichaltrige Meifter nach 
Haarlem, welche fich hier, offenbar nicht unbeeinHufst durch van de Velde, 
anfangs ziemlich parallel entwickelten, um fpäter verfchiedene Wege zu gehen. 
gäjeffn Der erftere ift Jan Jofefzoon van Goyen, der zweite ift Pieter Molyn oder de 
Haerlem- Molyn d. a. Ymz Yafefz zum Gayen war 1596 in Leiden geboren und hatte fchon 
Lehrjahre bei verfchiedenen Meiftern und Wanderjahre nach verfchiedenen 
Ländern hinter fich, als er zwanzigjährig nach Haarlem kamß) Dafs er fich 
I) Bizrger: Les Musees de 1a Hollande II p. 2o4_206_ Man vgl. die hier angeführten Bilder. 
2) Tlz. Lewin, Verzeichnifs der Diiffeldorfer Ansflellung von 1886, S. 87. 
3) Dafs van Goijen in Haarlem Ef, v. de Velde's Schüler war, berichtet Haubmkeu (ed, 1753 
I p. 171); dal's dies um XÖIÖ war, ergiebt {ich aus deffen Chronologie der jugendgefchichte des Wei- 
flers. Vgl. auch A. v. Wurzlnzclz in Kunß; und Künftler XXXII-XXXV  I0.
        

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