Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250624
620 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Zweiter 
Abfchnitt. 
Allzemeines- Dafs die Landfchaft in der Haarlemer KunPc eine überaus wichtige Rolle 
fpielt, ift fchon angedeutet worden. Man kann fogar fagen, dafs Haarlem der 
eigentliche Sitz und Mittelpunkt der nationalen, realiftifchen und doch durch- 
geiftigten holländifchen Landfchaftsmalerei war. Allerdings werden wir fehen, dafs 
einige Hauptmeifier diefer Richtung entweder keine Haarlemer von Geburt waren 
oder doch nicht dauernd in Haarlem anfaffig blieben und daher ihre Kunft auch 
felbPc nach anderen Städten verpflanzten. Aber es ift trotzdem eine Thatfache, 
dafs die Fäden diefer ganzen Kunftrichtung theils in Haarlem zufamlnenliefen, 
theils von Haarlem ausgingen, fo dafs wir gerade auf diefem Gebiete des Zu- 
fammenhanges wegen den Begriff der Haarlemer Schule durch die Heranziehung 
einiger nicht voll zu Haarlem gehöriger Meifter abrunden müffen. 
Chalfffkten  Wenn einerfeits Meifter wie Savery, Vinckboons, Willaerts den vlämifchen 
Landfchaftsfiil nach Holland trugen, andererfeits die Künfller der Elsheimef- 
fchen Richtung eine befondere landfchaftliche Auffaffung in Holland heimifch 
machten, fo gab es neben beiden doch auch in Holland bereits in der 
Uebergangszeit vom I6. ins I7. Jahrhundert einige Meifter, welche, ihren 
vlämifchen Zeitgenoffen parallel entwickelt, wie diefe ihre kleinügurigen, 
bunten, im Freien fpielenden Volks- und Lebensbilder in eine landfchaftliche 
Umgebung von immer gröfser werdender, bald das künftlerifche Uebergewicht 
behauptender Bedeutung fetzten, dabei aber, unbekümmert um den eBaum- 
fchlaga und die xFarbendreiklängee ihrer vlämifchen Nachbarn, die eigene 
Natur mit eigenen Augen anfahen und f1e mit einer gefunden, fchlichten, aus 
ihrem eigenen Bedürfnifs entftandenen Technik Wiedergaben. Als einen der tüch- 
tigften Meifler diefer Art werden wir in der Haager Schule Adriaen van 
de Venne kennen lernen. Zu den Haarlemern müffen wir den ihm vielfach 
verwandten Efaias van de Velde Hellen. Noch vor ihm müffen wir jedoch 
seeläslen einen etwas älteren und alterthümlicheren Haarlemer Künliler, müffen wir den 
noch mehr an feine vlämifchen Fach- und Zeitgenoffen erinnernden Seemaler 
 Hendrifc Comelzkz Vroom befprechen. Diefer war 1566 zu Haarlem geboren 
Seine Art. und wurde am 4. Februar 1640 dafelbft begraben. Er gilt als der Vater der 
holländifchen Seemalerei; doch liegt der Schwerpunkt feiner Gemälde noch 
öfter in den Schiffen, als in der landfchaftlichen Meeresdarftellung. Seine da- 
Sfiiäflulfjgf tirten Bilder zeigen ihn in allmählicher Entwicklung von altvlämifcher Härte 
und Steifheit zu gröfserer Freiheit und echter holländifcher Tonwirkung. Das 
5311133122123 von 1607 datirte, allerdings nicht als feine Arbeit beglaubigte grofse Bild des 
(ven 1601), Haarlemer Mufeums, welches das Verbrennen eines fpanifchen Schiffes in der 
Seefchlacht bei Gibraltar (1607) darftellt, ift noch etwas unruhig in der Zeich- 
nung, wie in der Farbe. Das blaugrüne Waffer ift wild bewegt, die Luft ift 
rauh und fahrig gemalt. Einen bedeutenden Fortfchritt zeigt die erft I6I7 ent- 
Ptandene, mit des Künftlers Namen bezeichnete Darftellung derfelben Seefchlacht 
Amßijdaxxh bei Gibraltar im Amfterdamer Reichsmufeum. Sie ifl in allen Einzelheiten feft 
und kräftig, wenn auch noch hart gemalt. Die See ift grün. Die Luft klar 
Tvgafälzäg: und, ruhig. Auf demfelben Boden fleht das von 1623 datirte, ebenfalls bezeich- 
nete Bild des Künftlers im Haarlemer Mufeum, welches die Ankunft Leiceflefs 
in Vliffigen darftelltj Von der leichtgewellten grünen See hebt die Stadt- 
filhouette {ich feft und leuchtend ab. Dunkelgrün erfcheint das Meerwaffer
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.