Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250565
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Sechstes 
Buch. 
Abtheilung. 
Zweiter 
Abfchnitt. 
Sijngnäiägär treten. Eine befondere Beachtung aber verdienen {eine Bilder in England. 
Die englifchen Sammler haben den Meifler bevorzugt und eine Reihe feiner 
Hauptbilder auf ihrer Infel vereinigt. In der National Gallery zu London {md 
befonders die beiden Winterbilder wahre Perlen feiner Hand. Von feinen Bil- 
dern in den dem Verfaffer bekannten englifchen Privat-Sammlungen Fmd, ab- 
gefehen von den drei im Buckingham Palace befindlichen, die drei fchönen 
Bilder bei Sir Richard Wallace, die beiden Bilder in der Bridgexiaater-Gallery 
und Bilder bei den Lords Northbrook und Dudley, fowie beim Marquis of 
Lansdown hervorzuheben.  
Noch 
etwas 
älter 
Ifack 
KV 31' 
Adriaenl 
van 
OPcadeÄs 
zweiter 
Schüler 
 Corzzelis Pzktersz Bega, welcher 1620 zu Haarlem geboren wurde und 1664 
Kuääifäflb dafelbPr Pcarb. Bega fchlofs fich fo eng an feinen berühmten Lehrer an, wie 
es ihm möglich war. Doch hatte er einerfeits weniger Neigung, als diefer, 
die Gefichter feiner Bauern ins langnafig Häfsliche zu zerren, und erreicht er 
andererfeits nicht entfernt deffen innige, feine, tief harmonifche Farben- und 
Helldunkelempfindung. Er ift glatter und leerer in der Behandlung, gleich- 
mäfsig kühler im Gefammtton, von dem nur feine Fleifchfarbe fich manchmal 
Seine Bilder unangenehm roth-gelb abhebt. Ungewöhnlich fein im Helldunkel ifi bei diefen 
Amüiejdam, Eigenfchaften fein Hauptbild wein Bauernconcerte im Amflerdamer Reichs- 
mufeum. Im Uebrigen feien zunächfl einige Beifpiele bezeichneter, aber nicht 
oder nicht mehr datirter Bilder feiner Hand genannt: z. B. der vBauerntanzm 
mwlfgjgggg; der Dresdener Galerie, das ähnliche Bild der Münchener Pinakothek, die Mllllfl- 
in Caffcl. cirenden Frauena und xder AlchymiPm in der Caffeler Galerie, die vBauern- 
iyffigg; ftuber in der Kaif. Galerie zu Wien und wdie Rauchern im Mufeum zu Lille. 
Die datirten Bilder feiner Hand dagegen gehören theils feiner frühen Zeit an, 
im Haag. wie die noch etwas bunte ßBauernwerbungt von 1650 im Haager Mufeum und 
in Paris. das kühle glatte Bild eines Bauernpaares von 1652 im Louvre zu Paris, theils 
in Berlin. feinen allerletzten Lebensjahren, wie die xLautenfpielerim von 1662 im Berliner, 
in Schwerin, und die wBauernfchenker von demfelben Jahre im Schweriner Mufeum, vom 
Jahre 16631) aber z. B. vdas Tifchgebeta in der Sammlung van der Hoop des 
Amnädanh Amfterdamer Reichsmufeums und ßdie Spielern in der Petersburger Ermitage. 
 äfffirilf Auch als Radirer ift Bega bekannti); doch erreicht er auch als folcher fein 
Vorbild nicht, thut er flch vielmehr durch befondere Rauhheit der Arbeit 
hervor. 
Ein dritter, bedeutend jüngerer Schüler Adriaen van Oltades, zugleich 
R-blfliääfn" Schüler des Thiermalers Hendrik Mommers, war Richard Zirukevzbzzrglz, ein 1650 
zu Haarlem geborener, 1702 dafelbfl geftorbener Künfiler, in deffen Werken 
Kusffßfiftä {ich neben der Schule feines Lehrers deutlich der Einflufs Jan Steens wieder- 
fpiegelt, des grofsen Leidener Charaktermalers, der zeitweilig in Haarlem wohnte. 
Trotzdem gehört Brakenburgh nicht zu den gefuchteften und feinften hollän- 
Seingnßilder difchen Sittenmalern. Manchmal, wie z. B. in dem vlnneren eines holländifchen 
Amfkerdaln. Bauernhaufesi im Amfterdamer Reichsmufeum, kommt er Bega nahe; manch- 
 I) Die Echtheit wenigftens der Bezeichnung der beiden von 1663 datirten Bilder im StädeY- 
fchen Inftitut zu Frankfurt a.  ift ganz neuerdings fehr lebhaft angegriffen worden von Tlz. Lezlin, 
in der Knnßchronik 1887, S. 677; die Berechtigung diefes Angriffs wird geprüft werden müffen. 
2) Barlfcä, Peintre graveur V, p. 223-243. Weigel, Suppl. p. 281-293,  38 Blatt.
        

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