Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250282
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Sechstes 
Buch. 
Abtheilung. 
Abfchnitt. 
Zweiter 
Gefellfchaft darftellendes Bild feiner Hand von 1625 befitzt feit Kurzem das 
Amflerdamer Reichsmufeum. Als fein Hauptbild hat fein lebensgrofses Kniee- 
in Dresdmflück der von einem Engeljüngling geleiteten reuigen Magdalena in der Dres- 
dener Galerie zu gelten. Ganz caravaggesk gedacht, ift es doch nordifch frifch 
empfunden und mit nordifch derber Hand gemalt: ungemein kräftig in den 
Formen, der Färbung und dem Farbenauftrag. Weniger anziehend iPc fein 
in Caffßl- ßLautenfchlägerx derfelben Sammlung und f1nd feine Bilder in der Caffeler 
Galerie. 
gigefääilggegf Die in Haarlem anfäfflgen Meifler diefer Richtung behielten natürlich einen 
mein"- viel niederländifcheren AnPcrich, wurden jedoch gerade wegen ihres akademi- 
fchen Anhauchs erklärlicher Weife für die eigentlichen Hiftorienmaler der Stadt 
gehalten und daher nach dem Haag berufen, um hier neben den Antwerpenern, 
wie Jordaens und van Thulden, und neben dem Utrechter Honthorft an der 
Ausfchmückung des Huis ten Bofch mit grofsen Wand- und Deckengemälden 
(oben S. 460, 475) theilzunehmen. 
13153313231" Hier ift zunächft Pieter Clazfz Soutman, der berühmte Rubens-Stecher, der 
als folcher fchon oben (S. 440) erwähnt worden, zu nennen. Dafs er auch als 
Maler den Einflufs des Rubens nicht ganz verläugnet, ifl leicht erklärlich. 
 Diefer zeigt fich denn auch in feinem hiflorifchen Hauptbilde, dem allegorifchen 
Decigäiild, Deckenbilde von 1648 im Huis ten Bofch, einem freilich unfchön angeordneten, 
aber leicht und flüffig in bräunlichem Ton gemalten Bilde, wogegen feine 
scfiiflfen_ beiden grofsen Schützenbilder von 1642 und 1644 im Haarlemer Mufeum gar 
bilden nicht an Rubens, fondern eher an Frans Hals, den wir als den bahnbrechenden 
Meifler der Haarlemer Bildnifsmalerei kennen lernen werden, erinnern, doch 
weicher in ihrer graufchattigen Modellirung find, als der letztere jemals gemalt 
Sei" Lebe" hat. Soutman war 1580 in Haarlem geboren und ftarb dafelbft 1657. 
Sodann kommen befonders die Familien Grebber oder de Grebber und 
de Bray in Betracht." 
-Pi';j:z Frans Pietrrsz Greböer war 1570 in Haarlem geboren, wurde 1627 
Gmebe" Dekan der dortigen St. Lucasgilde und ftarb 1649. Das Haarlemer Mufeum 
Scifiltrizn- befitzt vier vSchützenmahlzeitena feiner Hand, von denen diejenige von 1610 
 und die beiden von 1619 mit feinem Namen bezeichnet find. Die Gefammt- 
anordnung ift in diefen Bildern noch etwas fteif; die Bewegung der Hände ift 
zu abfichtlich und gefucht; das Fleifch ift warm und goldig, aber wenigftens 
in dem Bilde von 1610 noch etwas flau modellirt. Die beiden Bilder von 
1619, auf welche Frans Hals fchon zurückgewirkt haben konnte, bezeichnen 
einen entfchiedenen Fortfchritt; aber die vollfiändige Naturwahrheit des Ein- 
drucks ift auch hier noch nicht erreicht. 
de läfiißen Sein Sohn und Schüler Pieter de Grebber, von dem fich etwas zahlreichere 
Sei" Lebe" und verfchiedenartigere Bilder erhalten haben, mufs um 1600 in Haarlem ge- 
boren fein. Näheres ift von feinem Leben nicht bekannt geworden. Es giebt 
Bilder feiner Hand mit Jahreszahlen von 1628 bis 1650. In den früheren 
künäfifä-che kommen deutliche Erinnerungen an Rubens neben Anklängen an die durch 
Emwlckhmg Elsheimer beeinüufsten Vorgänger Rembrandts zum Vorfchein; in den mittleren 
treten diefe zuletzt genannten Anklänge bei etwas duftig-verblafener Behandlung 
und hellen, kräftigen Einzelfarben innerhalb bräunlichen Gefammttons mehr
        

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