Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255489
1106 
Buch, 
Siebentes 
Sechster Abfchnitt. 
Dem Uebergang von feiner erften in feine zweite Epoche gehört auch feine 
unter dem Namen xLiber Studioruma berühmte 1807_I819 erfchienene Samm- 
lung eigenhändiger Radirungen an l). 
Seißif" In dem zweiten Zeitraume feiner Wirkfamkeit, die etwa von den Jahren 
"hi-ßßo- 181 5 und '183O begrenzt wird, liebt er anfangs immer noch Anklänge an Claudds 
Bxftefndijifr fiilvolle Auffaffung, z. B. in feinen Bildern des Golfs von Bajä. und eines 
 Morgens in Karthago in der Londoner National Gallery, bald aber wird er 
freier, leichter in der Anordnung, duftiger und zügellofer in der Pinfelführung, 
märchenhafter und phantaflifcher in der Färbung und Gefammtflimmung: fo in 
der "Brücke des Caligula am Golf von Bajäe, fo in dem köfllichen Bilde vUlyffes, 
den Steinwürfen Polyphems entfegelnda. Auch treten in den unmittelbar der 
Natur abgelaufchten Anfichten farbenglühende römifche neben die nordifchen 
Motive. 
 In feiner dritten und letzten Epoche (1830-4850) verwerthete Turner, 
Isßoqgfßo- wenngleich die klaffifch-poetifchen Vorwürfe als folche in feinen Bildern noch 
zunahmen, doch nur felten mehr Anklänge an den landfchaftlichen Klaffizismus 
Bßffqndfj? eines Claude oder eines Pouffin, wie fie fich z. B. entfernt noch im bChilde 
Iäafffeßilf Haroldr von 18 32 nachfühlen laffen, geht er vielmehr feinen ganz eigenen, durch 
und durch phantaftifchen und poefiereichen, manchmal für den nüchternen 
Beobachter an Wahnfinni grenzenden Weg bei ganz leichter, breiter, freier, 
duftiger Behandlung, ganz bunten, reichen, weniger der Natur abgefehenen, als 
der Phantafie entfprungenen, manchmal in der That unbegreiflichen, im Ganzen 
aber immer harmonifchen Farbenfpielen. Hierher gehören die noch von 1829 
flammende vVifion der Medeau, wdie drei Männer, welche aus dem feurigen Ofen 
kommenu (1832), xApOllOn und Daphneu (1837), wvl-ICYO und Leandera (1837), 
vPhryne im Badeu (1838), vBacchus und Ariadneu (1840) und vKönigin Mabs 
Grotten (1846); hierher gehören feine durch noch eigenartigere Naturauffaffung 
ausgezeichneten, ganz von atmofphärifch-landfchaftlicher Stimmung umfloffenen 
Vorgänge aus der Neuzeit, wie vdie letzte Fahrt des zum Abbruch beftimmten 
 Kriegsfchiffes Temeraire bei Sonnenuntergangsftimmunge (1839) (Fig. 701), wie 
wdas Begräbnifs David Wilkie's auf hoher See vom Dampffchiff auSu (1842) und 
 die Eröffnung der Walhalla bei Regensburge (1843); hierher gehören endlich die 
ganz eigenartigen, fchon dem modernen nlmpreffionismusu, als deffen Vater 
man Turner mit manchen feiner letzten Werke anfehen kann, die Wege weifen- 
den Bilder, welche freilich bei ihm immer noch den geiftigen Inhalt haben, die 
 Menfchenkraft im Kampfe mit Naturphänomenen zu zeigen: vielbefprochene Bilder, 
wie vFeuer auf Seer, wie vdas Dampffchiff im Seefturma und vder Eifenbahn- 
zug im Regen und Sturmu (wRain, Steam and Speedr), denen fich die in ihrer 
Art köPclichen venezianifchen Aniichen feiner Spätzeit anreihen. 
Tuägljfgm Alle diefe Bilder Turner's gehören der National Gallery in London, welche, 
Saääiflgän da Turner ihr feinen Nachlafs vermachte, nicht weniger als 110 feiner beften 
Oelbilder und noch manche feiner Wafferbilder befitzt. Neben diefer Fülle ver- 
lohnt es {ich kaum, dem Meifier in anderen Sammlungen nachzugehen; doch fei 
I) Ueber das 
in L'Art 1879, 
wLiber Studiorumu 
23 2  2 34. 
Wedmore 
nAcademya 
1879 
377, 
389, 
399;
        

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