Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250270
Die holländifclue 
Malerei 
Jahrhunderts. 
Schule. 
Haarlemer 
Die 
535 
geifb, gemüth- oder humorvollen Auffaffung zu verbinden und mit einer durch- 
aus malerifchen, zugleich freien und forgfaltigen, weniger in Farben, als in 
Farbe fchwelgende Pinfelführung feftzuhalten. Ihr Realismus ifl durchaus ge- 
fund und trägt eben deshalb von felbft die Keime jeder geiftigen Anfchauung 
und Auffaffung in fich. Gerade der Haarlemer Realismus hat daher auch bis 
in unfere Tage hinein den nachhaltigften Einflufs auf die ganze nordifche 
Kunflentwicklung ausgeübt.  
Die Maler fpielten auch kaum in einer anderen holländifchen Stadt eine dseffilllälgfer 
folche Rolle, wie in Haarlem. Ganz Haarlem, fagte man, fei eine grofse Bilder- i" Haarlem- 
galerie; und jeder Haarlemer, hätte man fagen können, fei entweder Künfller 
oder Kenner. Es gab eine ganze Reihe von Künftlergefchlechtern, in denen 
die Kunft erblich war; und die Privilegien der Haarlemer Gilde zogen auch läiärHäää; 
manche fremde Künfller nach der anmuthigen, äufserlich ziemlich Rillen, inner- 
lich aber um fo regeren Kunflftadt. Auswärtige bezahlten manchmal ihren 
Gildenbeitrag in Haarlem, ohne dort zu wohnen. Die erfte Erwähnung der 
St. Lucasgilde fallt in's Jahr 1504; und fchon im Laufe des 16. Jahrhunderts 
machten ihre Statuten verfchiedene llVandlungen durch. Die Goldfchmiede 
trennten fich 1576 von ihr; in ihrer höchflen Blüthe als Malerheim fland fie 
nach den Statuten von 163m) 
Einen wie grofsen Antheil an der Entwickelung der holländifchen KunPc Rückblick- 
Haarlem fchon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehabt, haben wir 
bereits oben (S. 81-83) gefehen. Meifler wie Hendrik Goltzius, der berühmte 
Kupferfiecher, Cornelis van Haarlem, der Maler grofser Compofitionen mit nack- 
ten Figuren, und Karel van Mander, der berühmte Kunftgefchichtsfchreiber, ver- 
einigten fich hier, um eine wirkliche Schule, in welcher lebhaft nach dem leben- 
digen Modell gezeichnet wurde, innerhalb der i) Schule (i zu bilden. Unvor- 
bereitet fand der neue holländifche Kunftfrühling den Haarlemer Boden alfo 
nicht; aber freilich bedurfte es ganz neuer Ausfaat, um die neue Kunit auf ihm 
zur Blürhe zu bringen.  
Uebergangsmeifier und Künftler, welche, wie die Utrechter, noch mit einem Uüjfäjrfgs" 
Fufse in dem Italismus des jüngPc vergangenen Zeitraumes oder doch im Be- 
reiche des Einfluffes der Antwerpener Schule ftanden, gab es freilich auch hier. 
Als Schüler des Hendrik Goltzius mag zunächft Fan Lys, gen. Pan?) ge- g  
nannt werden; und diefer fleht freilich nicht mit einem Fufse, fondern mit bei- 
den Füfsen im Italismus. Im letzten _Drittel des XVI. Jahrhunderts, nach San- Sein Leben. 
drart in Oldenburg, nach der wohl glaubwürdigen Chronik von Hoorn4) aber in 
letzterer Stadt geboren, pilgerte er, nachdem er feine Lehrjahre in Haarlem beendet, 
nach Italien, wo er, wie manche der Utrechter, die wir kennen gelernt haben, 
fich ganz dem Einflufs Caravaggids hingab. Er fcheint auch nicht nach dem Seine Bilder 
Norden zurückgekehrt zu fein; wenigfiens ftarb er fchon 1629 in Venedigp  
Seine Gemälde find fehr felten geworden. Ein bezeichnetes, eine mufikalifche Amügdam, 
Vßll 
Dirk 
I) C.  Gonnet in Obreerfs Archief I. p. 223-293. 
2) Nicht zu verwechfeln mit dem Schüler PoelenburgHs 
thümlich auch Jan van der Lis genannt wurde (oben S. 566). 
3) Teutfche Academie II S. 314. 
4) Krumm a. a. O. 995. 
der 
Lis 
oder 
Liffe , 
der 
irr-
        

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