Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255365
1094 
Buch. 
Siebentes 
Sechster Abfchnitt. 
 Meere entfteigendr, deren Aufbewahrungsort uns nicht bekannt ifi, ausgefiellt 
hatte, wurde er 1773 zum Mitglied der Royal Academy ernannt; 1776 malte 
er, um Wefi entgegenzutreten, einen wTod des Generals Wolfer mit nackten 
Geflalten; I7 77 aber begann er unentgeltlich fein Lebenswerk, die fechs grofsen 
Daritellungen vGefchichte der menfchlichen Culturr, mit denen er einen Saal 
der Society of Arts fchmückte. Das Werk war 1783 vollendet. Inzwifchen 
war Barry 1782 zum Akademieprofeffor ernannt worden. Da er fein Amt aber 
anfangs vernachläffigte, fpäter als wunderlicher Heiliger im eigentlichfien Sinne 
des Wortes dazu benutzte, um feine Collegen fchlecht zu machen, fo wurde 
er 1799 nicht nur abgefetzt, fondern überhaupt aus der Akademie ausgefiofsen. 
Er warf {ich nun auf den Kupferflich und ftarb, einfam und verlaffen, am 
ifligfläyilfjir; 22. Februar 1806. Zu feiner Charakteriftik {ind wir hauptfachlich auf feine 
Sofijgff grofse Bilderfolge in der vSociety of Artsa angewiefen. Diefe Darilellungen 
find: I) vOrpheus, in den thrakifchen Bergen die Menfchheit um {ich ver- 
famrnelnd, um {ie durch die Mufik zu veredelnr; 2) vDas Dankesfeft der 
Griechen für die Segnungen des Bacchus und der Ceresa (Fig. 697); 3) vDie 
Sieger von Olympiar. Diefe drei Bilder fchliefsen {ich der klaffiziftifchen For- 
derung der Nacktheit an. Doch giebt der Künfiler felbft {ich in diefer ziemlich 
unverftandenen, römifchen Statuen abgefehenen Nacktheit mit ihren kleinen 
Köpfen, ihren wollig ausgefiopften Muskeln, ihren mächtigen, mehr fleifchigen, 
als fehnigen Leibern, bedenkliche Blöfsen. Dem 4. Bilde ßDie Schifffahrt, oder 
der Triumph des Themfegottesr, fehlt es an innerer Einheitlichkeit der Ge- 
Pcaltung. Antikes und Modernes wirken wüft durcheinander. Das 5. Bild ifl 
ganz modern. Es {tellt mit vielen Herren- und Damenbildniffen eine Preis- 
vertheilung in der Society of Arts dar. Das 6. Bild, in manchen Beziehungen 
das befte, wenigfiens das intereffantefte von allen, {lellt neben den Schrecken 
des Tartarus die Freuden Elyfiums dar, in welches Barry die grofsen Männer 
aller Zeiten und Völker ohne Unterfchied der Religion oder des Berufes ver- 
fetzt hat.  Barry tritt uns in allen diefen Bildern als ein Mann vom höchftem 
 Wollen entgegen. Es ift die einzige derartige grofse ideale Folge der eng- 
lifchen Kunflgefchichte. Als folche wird {ie {lets ihren gefchichtlichen Werth 
behalten. Eine Gefahr, Nachfolge zu erwecken, liegt auch nicht in ihr. Dazu 
ifl f1e im Einzelnen doch zu unbeholfen, im Ganzen zu unharmonifch. 
Dem Alter nach folgt hier zunächfl ein MeiPcer, der auf die Entwickelung 
David Allan- der fchottifchen Kunft bedeutenden Einfiufs gehabt hat. David Allzm, geb. zu 
Alloa 1744, geil. zu Edinburg 1796. Sein Bild vder Urfprung der Malereix, 
mit dem er 1773 den erften Preis der Accademia di San Luca in Rom errang, 
befindet {ich in der National Gallery zu Edinburg. Es ift in dem akademifchen 
Stil jener Tage gehalten und fand daher folchen Beifall, dafs Cunego es flach. 
Nach Edinburg zurückgekehrt, warf er {ich hier einerfeits auf die Bildnifsmalerei, 
in welcher er bald von Raeburn (oben S. 1085) überflügelt wurde, andererfeits aber 
auf Darflellungen aus dem fchottifchen Volksleben, in denen er ein Vorgänger 
David Wilkie's wurde. In feinen Darftellungen diefer Art, welche in der Regel 
freilich nur in Wafferfarben oder für den Stich ausgeführt wurden, liegt feine 
Bedeutung. Sie verfchafften ihm den Beinamen des ifchottifchen Hogarthe. 
In der Edinburger Galerie ift er mit Werken aller feiner Arten vertreten.
        

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