Volltext: Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts (Bd. 3, Hälfte 2)

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Buch. 
Siebentes 
Sechster Abfchnitt. 
Colorit experimentirte Gainsborough nicht, wie der letztere; und wenn er 
diefen daher an eigenartigen, fubjektiv anziehenden Farbenwirkungexi auch 
nicht erreicht, fo übertrifft er ihn doch auch auf diefem Gebiet an gefchmack- 
voll verwertheter, frifcher Natürlichkeit. 
Sein Leben. 
Sein 
Scoffgebier. 
Mufldora. 
England fcheint Gainsborough, bezeichnend genug, niemals verlaffen zu 
haben. Geboren wurde er im Mai 1727 zu Sudbury in Suffolk. Seinen Unter- 
richt empiing er, nachdem er {ich in früher jugendzeit. in der baumreichen 
Hügelgegend feiner Heimath ohne Anleitung im Landfchaftszeichnen geübt, bei 
Frank Hayman in London. Hier heiratete er auch fchon, als er 19 Jahre alt 
war, ein junges Mädchen, welches ihm 4000 Mark jährlich und Liebe und 
Glück ins Haus brachte. Nach feiner Verheiratung liefs er fich erft in Ipswich, 
dann in Bath, dem englifchen Modebad des vorigen Jahrhunderts, nieder, wo 
er bald durch feine Bildniffe folches Auffehen erregte, dafs man ihn 1768 
gleich bei der Gründung der Royal Academy zu deren Mitglied machte. Doch 
lebte er noch 1758-1774 in Bath und fiedelte erPt dann nach London über, 
wo er am 2. Aug. 1788 ftarb. 
ßHifrorienr hat Gainsborough nicht gemalt; nur den wjahreszeitenr Thomfons 
hat er einmal eine einzelne weibliche Geftalt, die in befchattetem Strome ihre 
Füfse badet, entlehnt: die anmuthige ßMufldorar der Londoner National 
Gallery. 1m Uebrigen theilte er, in feinen Mufseftunden leidenfchaftlich der Mufik 
ergeben, feine Arbeitszeit zwifchen der Bildnifsmalerei und der Landfchafts- 
malerei; doch ftattete er manche feiner Landfchaften mit fo gleichwerthig 
behandelten, fo frifch dem Landleben abgelaufchten Geftalten aus, unter denen 
feine Bauernkinder Urbilder liebenswürdiger, ungefchminkter Naturwahrheit 
find, dafs diefe eigentlich als ländliche Sittenbilder eine dritte Claffe feiner 
Werke bilden.  
132121293 Im Bildnifs verfchmäht er die vPofea, ohne die Reynolds es doch felten 
Bildniffe thut, erftrebt er den Eindruck unmittelbarfier Naturwahrheit und Frifche in 
der Haltung wie in der Färbung, begünfiigt er landfchaftliche Hintergründe, 
 von denen feine Geftalten, von klarem und weichem Lichte umfloffen, {ich 
ungemein plaftifch. und lebendig abheben. Die ganze englifche Ariftokratie 
fafs ihm; die königliche Familie gab ihm vor Reynolds den V_0rzug; und 
dafs er die Mitglieder der Arifiokratie in ebenfo vornehmer Haltung darPcellte, 
wie fie ihm fafsen, verfteht fich bei feiner fcharfen Beobachtungsgabe von felbPc. 
 Im königlichen Befitze zu Windfor befinden {ich eine Reihe feiner köfilichfien 
Beßm. Bildniffe, z. B. I7 Köpfe der Kinder Georg's 111., das Doppelbildnifs des Her- 
zogs und der Herzogin von Cumberland im Park, in der königlichen Samm- 
lung zu Hampton Court bewundert man fein Bildnifs des Componiften Dr. Fifcher; 
die Liebhaber find entzückt von der Wahrheit und Leichtigkeit, Womit die Geige, 
Isizgtfjrfal die neben diefem auf dem Stuhle liegt, gemalt ift.  Die National Gallery zu 
zuüfälsään London befitzt zunächft das etwas fteif angeordnete Gruppenbild der Familie 
iBaillie von feiner Hand, aufserdem aber fünf Einzelbildniffe, von denen das- 
jenige der Schaufpielerin Mrs. Siddons im Strafsenanzuge (Fig. 689) befonders 
charakterifiifch für den Unterfchied feiner Auffaffung von derjenigen des 
Reynolds ift, der diefelbe Dame (oben S. 1074) als vtragifche Mufex darftellte; 
vortrefflich in ihrer Einfachheit find hier auch die Bildniffe des Pfarrfecretairs
	        
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