Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250254
holländifche 
Malerei 
Iahrh. 
Utrechter Schule 
verwandte 
Meifler. 
583 
Früchten, von aufsen wie im Anfchnitt, feinen Blumen und Blättern, aber auch 
feinen goldenen, filbernen, {teinernen und gläfernen Gefäfsen und der kleinen 
Thierwelt, die fich in und an feinen Stilleben bewegt, zu verleihen vermag; 
erfiaunlich ift aber auch die beraufchende Pracht feiner Zufammenftellung der 
fchöniten und feltenfien Früchte, der vornehmften Blumen zu märchenhaft herr- 
lichen Haufen und Sträufsen, welche ihre ideale Natur manchmal allerdings 
auch darin zur Schau tragen, dafs folche Früchte zufammengefiellt fmd, wie 
Trauben und Kirfchen, welche der Meifter fchwerlich jemals nebeneinander 
gefehen hat. Früchte und Blumen jeder Art bilden den Hauptbefiandtheil 
feiner Bilder. Manchmal giebt er Schüffeln, Teller und Gefafse, feltener einen 
Römer voll funkelnden Weines, nicht eben häufig andere efsbare Herrlichkeiten, 
wie einen fchönen rothen Hummer oder Auflern hinzu; noch feltener gefeilt er, 
wie z. B. auf einen Prachtbilde der Dresdener Galerie, den Blumen und Früchten Seg'i',figaäft' 
als blVlemento morii einen Todtenkopf. Von kleinem Gethier aber wimmelt Dmden- 
es auf manchem feiner Bilder. Sehen wir uns z. B. eines feiner Hauptwerke, 
das grofse Stilleben mit dem Vogelnefl in der Dresdener Galerie darauf hin 
an. Vor altem Gemäuer fmd die köftlichften Früchte aufgehäuft, diesmal wirk- 
lich nur der Zeit nach zu einander paffende Herbftfrüchte: in ihrer Mitte eine 
gelbe Melone, an deren duftig leuchtendem Anfchnitt eine Wefpe nagt. Links 
vorn fleht man eine Maus und eine Eidechfe. Rechts vorn liegt ein Vogelneft, 
an dem Ameifen kriechen; daneben ein todter Stieglitz auf dem Rücken; oben 
auf dem Zweig aber f1tzt ein lebendiger Stieglitz.  Libellen, Schmetter- 
linge und Käfer umfchwirren fafi alle Blumenftücke des Meiflers. 
Die meiften Werke Jan Davidsz de Heem's, nicht weniger als zehn Original- äsrixngifgäi- 
bilder, befltzt die Dresdener Galerie, ihrer fünf befitzt die Karlsruher Kunft- i; 13525511, 
halle, mindeftens eben fo viele die Galerie Liechtenflein zu Wien; ihrer vierinmzgtfglfl 
fleht man im Berliner Mufeum, in der Münchener Pinakothek und im Schweriner in  
Mufeum, ihrer drei im Brüffeler Mufeum, in der Ermitage zu St. Petersburg, in Münclien, 
und in der Turiner Pinakothek. Zwei oder eins feiner Bilder befltzen die 
meiften namhaften Sammlungen der Welt, auch die holländifchen. Verhältnifs- ä-itääskiifä 
mäfsig felten ift er in den englifchen Galerien; von Frankreichs öffentlichen 
Sammlungen befitzt nur der Louvre ein echtes Bild feiner Hand. Am zahl- 
reichften ift er, wie fo mancher holländifche Meifier, in der Gefammtheit der 
deutfchen Galerien vertreten." 
Von feinen Söhnen trat der fchon erwähnte Cornelis de Heem, welcher sämensisiigne, 
1631 zu Leiden geboren war, aber jung mit feinem Vater nach Antwerpen de Heem. 
kam, wo er 1695 fiarb, ganz in deffen Fufstapfen. In feinen beften Bildern 13:3; 
fleht er feinem Vater fo nahe, dafs iie fich nur durch ihre in der Buchftaben- Damm Art. 
form verfchiedene Bezeichnungsweife von den feinen unterfcheiden laffen. In feinen 
Durchfchnittsbildern aber ift er doch weniger klar und feft im Vortrag, ift er trüber 
und brandiger im Ton als fein Vater. Fünf beglaubigte Bilder feiner Hand Deffenßilder 
befxtzt die Dresdener Galerie, (bei einem war die Bezeichnung auf Jan DälVld-SZ i" Dmdem 
gefalfcht), drei das Schweriner Mufeum, zwei, nebft einem nicht beglaubigten, in  
aber echten, die Münchener Pinakothek, zwei die Karlsruher Kunfthallen eins, "Im  
nebü einem unbeglaubigten, das Städeffche Inftitut zu Frankfurt a. M.; Je ein 
mit feinem Namen bezeichnetes Bild befitzen das Berliner Mufeum, das Darm-
        

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