Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255141
1072 
Buch. 
Siebentes 
Abfchnitt. 
Sechster 
malijliyfhen werden, von feltener Saftigkeit, Frifche, Tiefe und Leuchtkraft, fein Helldunkel, 
{flifftä ohne jemals, wie das Rembrandtfche, zum Hauptträger des malerifchen Ge- 
dankens zu werden, von feltener Feinheit, Zartheit, Wärme und Lebendigkeit. 
Als Eklektiker erfcheint er hauptfachlich in feinen der Mythologie, der Dicht- 
kunft, der biblifchen Gefchichte oder der Phantafie entlehnten Bildern. In 
feinen Bildniffen aber war er denn doch durch die Natur der Aufgabe viel zu 
 fehr auf eigene Beobachtung angewiefen, als dafs fein Eklekticismus ihn hier 
mit der Blaffe des Gedankens anzukränkeln vermocht hätte. Allerdings liegt 
etwas Gedankenhaftes auch hier in feiner dem Zeitgefchmacke entfprechenden 
Neigung, die Perfönlichkeiten, welche ihm fafsen, in mythologifcher, gefchicht- 
licher oder flttenbildlicher Maske darzuftellen. Aber einerfeits verfuhr er, wenn 
ihm geflattet war, diefer Neigung nachzugehen, mit fo viel Einficht und Ge- 
fchmack, wie kaum ein zweiter Meifter, andererfeits waren die meiften feiner 
Landsleute doch zu realiftifch angelegt, um {ich derartige Scherze gefallen zu 
laffen; und gerade in Reynolds Bildniffen der natürlicheren Art geht fein an- 
erzogener Idealismus mit dem Realismus des Faches eine Verbindung von 
 höchft anziehenden Ergebniffen ein; immer fucht er das innere Wefen der dar- 
EmPündm- geftellten Perfönlichkeiten, immer aber fucht er es, im vollen Gegenfatze zu 
Hogarth, von feiner beften und anfprechendften Seite zu erfaffen, immer weifs 
er durch die Haltung, durch die Umgebung, durch den Ausdruck und durch 
das niemals kleinliche Beiwerk die Lebensftellung und den perfönlichen Cha- 
rakter des Dargeftellten in grofsen Zügen zum Ausdruck zu bringen. Wie 
viel unmittelbare, naiv künftlerifche Empfindung ihm auch trotz aller Reflexion, 
in die er {ich hineingegrübelt hatte, zu Gebote Hand, zeigen vor allen Dingen 
feine Kinderdarflellungen, die von entzückender Wahrheit, Schlichtheit und 
Liebenswürdigkeit zu fein pflegen. 
Bäämere Aus der Fülle feiner einfachen Einzelbildniffe oder feiner Bildniffe vornehmer 
Damen mit einem ihrer Kinder einige Hauptwerke herauszuheben, iPc fchwer. 
Ijgtgflzl Die National Gallery zu London befitzt ihrer mehr denn ein Dutzend, von 
icfgsäinzu denen fein Selbftbildtiifs mit der Brille und das grofsartige Bildnifs des Lord 
 Heathfield, des Vertheidigers von Gibraltar, mit dem Schlüffel der Feftung in 
der Hand, vielleicht die anziehendften find. Ihrer vier befitzt die National 
in Edinburg. Gallery zu Edinburg; auch im South Kenfington Mufeum und im Foundling- 
13013122" Hofpital zu London fleht man Reynoldsfche Bildniffe, je eins feiner Selbft- 
 bildniffe auch im Dulwich College und in der Royal Academy. Ebenfo- iPc der 
Hgggrßgn Meifter in den königl. Sammlungen des Buckingham Palace, zu Hampton Court 
Vglvjägor und zu Windfor Cafile, befonders in der letzteren, mit fehenswerthen Einzel- 
igiräeglgggin bildniffen vertreten. Die meiflen aber befinden fich 1m englifchen Privatbefitz. 
'Befonders berühmt durch feine geiftige Charakterifiik iPr z. B. dasjenige des 
Lord Thurlow beim Marquis of Bath, befonders hervorragend durch feine zu- 
gleich vornehme und mütterlich herzliche Haltung dasjenige der Giorgiana 
Spencer, Herzogin von Devonfhire, mit ihrem Kinde, welches in zwei verfchie- 
denen Exemplaren beim Duke of Devonfhire zu Chatham und beim Earl of 
Spencer erhalten ift, befonders anziehend durch den Reiz geheimnifsvoll-füfser 
Sinnlichkeit dasjenige der Nelly O'Bryan bei Sir Richard Wallace in London, 
der überhaupt eine Reihe der fchönften Bildniffe des Meifters befitzt, z. B. noch
        

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