Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255041
IO62 
Buch. 
Siebentes 
Sechster 
Abfchnitt. 
ift bei I-iogarth immer ausgefchloffen. In den meifien feiner Darftellungen tritt 
er uns in erfter Linie, wenn auch nicht felten mit Lachen erregendem XVitz, 
als ftrenger, ernfier Sittenrichter entgegen, der der Schmach ihr eigenes Antlitz 
zeigt und dem Lafier fein eigenes Bild. Die Trunkfucht, .die Ausfchweifung, 
die Habfucht, die Beftechlichkeit, die Faulheit, die Putzfucht (feiner Zeit und 
feines Volkes, fügt man in der Regel hinzu; im Grunde aber lind es Lafter, 
die fich zu allen Zeiten und bei allen Völkern wiederholen) verfolgt er mit 
unerbittlicher Schärfe. So überfüllt mit Einzelheiten manche feiner Darftellungen 
erfcheinen,  fo wenig überfiüffig ift das Geringfie auf ihnen. Jedes Mienenfpiel 
und jede Bewegung auch der entfernteften Nebenfiguren, jedes Bild an der NVand, 
jedes Schild auf der Strafse, jedes Geräth des Vordergrundes oder des Hinter- 
grundes hat feine wohl überlegte Beziehung zu dem Hauptvorgang und der in 
ihm verkörperten moralifchen Idee. Künftlerifch betrachtet, thut Hogarth 
auch in diefer Beziehung des Guten viel zu viel. Es fteckt allerdings ein 
Stück der literarifch-fatirifchen Ader feiner Landsleute Swift und Smollet in 
ihm. Auf feinem Selbftbildnifs hat er bezeichnend genug aufser der wSchön- 
heitsliniea, die feine fixe Idee war, Swift's Werke angebracht; und die Grenze 
der poetifchen und der malerifchen Geftaltung eines Witzes oder eines fatiri- 
fchen Gedankens war ihm wirklich noch nicht immer zum Bewufstfein ge- 
kommen. Anziehend werden uns feine fatirifchen Sittenbilder, in denen feine 
Stärke liegt, faPc niemals erfcheinen, um fo öfter aber geiPcreich, lehrreich und 
intereffant; und da die Nachwelt jeden in feiner Art bedeutenden Künftler 
nehmen mufs, wie er iPr, und froh fein mufs, wenn fie auf einen in irgend einer 
Art wirklich originellen und unabhängigen Meifter ftöfst, fo wird fie auch 
Hogarth die unleugbaren künftlerifchen Schwächen vieler feiner Bilder nachfehen 
und ihm als kunfigefchichtlicher Erfcheinung, die ihren Mafsfiab nur in {ich felbft 
trägt, den Ehrenplatz am Eingangsthor der neueren englifchen Kunfigefchichte 
laffen, den fchon die meifien feiner Zeitgenoffen ihm angewiefen haben. 
äliääarjiljf Wollen wir Hogarths Verfuche auf dem Gebiete der ernlten wHiftorien- 
 bilder malereix im voraus abthun, fo fei zunächfi bemerkt, dafs wir einige feiner ab- 
fchreckendften Compofitionen, wie wPaulus Predigta und vPaulus vor FCliXe 
nur durch die Stiche kennen. Sein berüchtigtes Gemälde vSigisnionda mit dem 
Herzen ihres hingerichteten Gemahls Guiscardor, deffen Annahme Sir Richard 
Grosvenor, welcher es I 7 59-befiellt hatte, verweigerte, aber befindet fich, allen 
zugänglich, als warnendes Beifpiel, die Grenzen feines Könnens zu prüfen, in 
igqjggjgp der National Gallery zu London. Unerfreulich ift vdie Findung Mofisa im 
(Fgjllgfißlflg Gemäldefaal des Foundling-Hofpitals zu London. Wahrhaft fürchterlich find 
HofPimn- die beiden grofsen Altarblätter, welche vor einiger Zeit aus der Kirche 
in Briftol. St. Mary-RadcliH zu Briftol, für welche Hogarth fie gemalt hatte, in die Fine 
Art Academy diefer Stadt geiiüchtet worden find. Verhaltnifsmäfsig am bePcen, 
weil ihrem Gegenftande nach naturgeinäfs mit den meiften realiftifchen und fitten- 
bildlichen Einzelheiten ausgeiiattet, iind feine beiden Riefenbilder im Treppen- 
HD5123?" haufe des St. Bartholomäus-Hofpitals zu London, welche den wbarmherzigen 
Hflgliliäijlf" Samaritera und den vTeich Bethesdae darftellen. 
äääjfitlis Sind Hogartlfs Bilder diefer Art Alles in Allem feine fchwächften Lei- 
fiungen, fo find, rein künftlerifch angefehen, feine Bildniffe umgekehrt feine
        

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